die Jägerin des staubigen Schatzes...
Verfasst am 14.09.2006 11:28:59 Uhr
die Jägerin des staubigen Schatzes...
Psssst!
Kommen se mal näher..... Scht, leise!
Wissen se was?
Ich habe gerade beim Ausmisten von alten Bücherkisten einen Schatz gefunden! *an die Brust drück*
Ein wenig eingestaubt is er, der Schatz. Man muss den Deckel vorsichtig öffnen, weil die Bindung nicht mehr die Beste ist. Die Blätter sind ganz vergilbt, haben teilweise Eselsohren. Der Buchdeckel hat von innen ein paar, hm, ich würde es Stockflecken nennen wollen. So genau will ich das gar nicht wissen, was das für Flecken sind. Vielleicht hat mal der Inhaber darüber seine Suppe gelöffelt, oder sein Bütterchen gemampft, während er den Inhalt studieren mußte.
Auf der ersten Seite steht in alter Sütterlinschrift ein mit inzwischen verwischter Tinte hingekritzelter Name. Franz Krzblzrl oder so ähnlich, ich kann es nicht wirklich entziffern.
Und darüber stand auch ein Name, der war mit Bleistift eingetragen, wurde aber ausradiert. Fritz Schneider Aachen, steht da noch schwach zu erkennen.
Bei meinem Schatz handelt es sich um Verdis Traviata, mit Gefang steht da. Naja komisch geschrieben haben se ja früher schon. Gesang heißt das natürlich. Traviata mit Gefang ergibt ja überhaupt keinen Sinn! *blöd grins*
Ein paar Seiten später taucht der Name des ursprünglichen Besitzers wieder auf, diesmal etwas säuberlicher geschrieben.
Franz Kajack .. ... steht da.
Wer mag dieser Franz Kajack gewesen sein? Wozu nutzte er dieses Exemplar? War er Pianist? Sänger? Gesangslehrer? Dirigent?
Oder einfach nur Liebhaber des Stückes?
Ich vermute Sänger, da in den Partien des Alfred und des Gaston einige Noten herausgestrichen sind, sowie Randnotizen aufs Blatt gekritzelt wurden. Die Seiten 47-60 wurden mit alten, inzwischen leicht rostigen Briefklammern festgehalten. Die komplette vierte Szene quasi. Warum?
Im Akt II der ersten Szene und der Arie wirds hektisch. Hier wimmelt es von Atmungszeichen, Unterstreichungen, besonders hervorgehobener Noten. Entweder hatte er diese Stelle besonders gerne, oder er hatte Schwierigkeiten damit. Ich vermute fast letzteres, so wild wie die Seiten bekritzelt sind.
Auf Seite 86/87 sind ein paar Wasserflecken und diese Seite ist besonders schmuddelig. Ich ahne, dass das Buch ewig offen auf dem Speicher gelegen hat, bei mir jedenfalls nicht! Wie kam es eigentlich in meinen Besitz? Hm...
Ich weiß es schon gar nicht mehr. Nur das ich es schon ziemlich lange habe. Früher hat mich die Oper nicht die Bohne interessiert. Ich hatte da auch noch keine Ahnung was in meiner Stimme steckt.
Eine gewisse Musikalität steckte schon in meiner Familie, es ist nur nie jemand auf die Idee gekommen, dass ein wenig mehr auszubauen. Ich habe sehr schöne Kindheitserinnerungen daran, wie wir früher immer mit der ganzen Familie an Weihnachten, Geburtstagen usw. zusammengesessen und gesungen haben.
Mein Vater spielte Gitarre und alle sangen aus Leibesbrust..
es geht ein Rundgesang in unsrem Kreis herum ..
Meine Mutter mit ihrem Lieblingslied.. schwer mit den Schätzen.. *lach*...
meine Oma, die immer in ihrer kleinen Küche stand und Lieder vor sich hinträllerte...
mein Papa, der oft zu Hause saß und sang und Gitarre dazu spielte.
Sehr schöne Erinnerungen..
Dinge die mich geprägt haben.
Ich konnte schon als ziemlich junges Ding Deep Purples sweet child in time trällern..
Was hast du in der Schule gelernt? Sags mir mein Kind..
Wie? Ich schweife ab...
Szene 10 und 11 sind wieder mit rostigen Briefklammern zusammengehalten. Vorsichtig löse ich die Klammern. Ach wie schön wäre es eine Notiz zu finden, die mir Aufschluss über den Vorbesitzer geben könnte. Vermutlich könnte ich es nicht mal lesen. Meine Oma schrieb damals auch in dieser Sütterlinschrift. Für mich Hieroglyphen, bis heute.
*Buch vorsichtig zuklapp*
Eigentlich sollte das ja ne flinke Sache werden. Mal schnell die Kiste aussortieren und nun bin ich schon ne ganze Weile an diesem Buch hängen geblieben. Zart streiche ich über die Seiten. Wenn alte Dinge doch nur ihre Geschichte erzählen könnten.
*lach* Vermutlich würde ich einen Herzinfarkt bekommen wenn das Buch plötzlich drauflosplaudern würde.
Wie war Franz Kajack wohl? War er ein freundlicher Mensch? Oder ruppig und herrschsüchtig? Ein Dandy oder ein liebenswürdiger Familienmensch? Wie war sein Leben? Zufrieden und glücklich, oder ruhelos und von Leid gefüllt?
Ich werde es wohl kaum herausfinden. Jetzt werde ich das Buch wieder zurück in die Bücherkiste legen und irgendwann in ein paar Jahren wird es mir wieder in die Hände fallen. Oder später irgendwann eines meiner Kinder, die sich dann fragen was ich mit diesem alten Schinken wollte. Oder es geht irgendwann in ihren Besitz über und sie wissen gar nicht mehr woher sie es haben..
Ich hoffe nur es landet nicht irgendwann achtlos in der Mülltonne.
die Jägerin des staubigen Schatzes...
Psssst!
Kommen se mal näher..... Scht, leise!
Wissen se was?
Ich habe gerade beim Ausmisten von alten Bücherkisten einen Schatz gefunden! *an die Brust drück*
Ein wenig eingestaubt is er, der Schatz. Man muss den Deckel vorsichtig öffnen, weil die Bindung nicht mehr die Beste ist. Die Blätter sind ganz vergilbt, haben teilweise Eselsohren. Der Buchdeckel hat von innen ein paar, hm, ich würde es Stockflecken nennen wollen. So genau will ich das gar nicht wissen, was das für Flecken sind. Vielleicht hat mal der Inhaber darüber seine Suppe gelöffelt, oder sein Bütterchen gemampft, während er den Inhalt studieren mußte.
Auf der ersten Seite steht in alter Sütterlinschrift ein mit inzwischen verwischter Tinte hingekritzelter Name. Franz Krzblzrl oder so ähnlich, ich kann es nicht wirklich entziffern.
Und darüber stand auch ein Name, der war mit Bleistift eingetragen, wurde aber ausradiert. Fritz Schneider Aachen, steht da noch schwach zu erkennen.
Bei meinem Schatz handelt es sich um Verdis Traviata, mit Gefang steht da. Naja komisch geschrieben haben se ja früher schon. Gesang heißt das natürlich. Traviata mit Gefang ergibt ja überhaupt keinen Sinn! *blöd grins*
Ein paar Seiten später taucht der Name des ursprünglichen Besitzers wieder auf, diesmal etwas säuberlicher geschrieben.
Franz Kajack .. ... steht da.
Wer mag dieser Franz Kajack gewesen sein? Wozu nutzte er dieses Exemplar? War er Pianist? Sänger? Gesangslehrer? Dirigent?
Oder einfach nur Liebhaber des Stückes?
Ich vermute Sänger, da in den Partien des Alfred und des Gaston einige Noten herausgestrichen sind, sowie Randnotizen aufs Blatt gekritzelt wurden. Die Seiten 47-60 wurden mit alten, inzwischen leicht rostigen Briefklammern festgehalten. Die komplette vierte Szene quasi. Warum?
Im Akt II der ersten Szene und der Arie wirds hektisch. Hier wimmelt es von Atmungszeichen, Unterstreichungen, besonders hervorgehobener Noten. Entweder hatte er diese Stelle besonders gerne, oder er hatte Schwierigkeiten damit. Ich vermute fast letzteres, so wild wie die Seiten bekritzelt sind.
Auf Seite 86/87 sind ein paar Wasserflecken und diese Seite ist besonders schmuddelig. Ich ahne, dass das Buch ewig offen auf dem Speicher gelegen hat, bei mir jedenfalls nicht! Wie kam es eigentlich in meinen Besitz? Hm...
Ich weiß es schon gar nicht mehr. Nur das ich es schon ziemlich lange habe. Früher hat mich die Oper nicht die Bohne interessiert. Ich hatte da auch noch keine Ahnung was in meiner Stimme steckt.
Eine gewisse Musikalität steckte schon in meiner Familie, es ist nur nie jemand auf die Idee gekommen, dass ein wenig mehr auszubauen. Ich habe sehr schöne Kindheitserinnerungen daran, wie wir früher immer mit der ganzen Familie an Weihnachten, Geburtstagen usw. zusammengesessen und gesungen haben.
Mein Vater spielte Gitarre und alle sangen aus Leibesbrust..
es geht ein Rundgesang in unsrem Kreis herum ..
Meine Mutter mit ihrem Lieblingslied.. schwer mit den Schätzen.. *lach*...
meine Oma, die immer in ihrer kleinen Küche stand und Lieder vor sich hinträllerte...
mein Papa, der oft zu Hause saß und sang und Gitarre dazu spielte.
Sehr schöne Erinnerungen..
Dinge die mich geprägt haben.
Ich konnte schon als ziemlich junges Ding Deep Purples sweet child in time trällern..
Was hast du in der Schule gelernt? Sags mir mein Kind..
Wie? Ich schweife ab...
Szene 10 und 11 sind wieder mit rostigen Briefklammern zusammengehalten. Vorsichtig löse ich die Klammern. Ach wie schön wäre es eine Notiz zu finden, die mir Aufschluss über den Vorbesitzer geben könnte. Vermutlich könnte ich es nicht mal lesen. Meine Oma schrieb damals auch in dieser Sütterlinschrift. Für mich Hieroglyphen, bis heute.
*Buch vorsichtig zuklapp*
Eigentlich sollte das ja ne flinke Sache werden. Mal schnell die Kiste aussortieren und nun bin ich schon ne ganze Weile an diesem Buch hängen geblieben. Zart streiche ich über die Seiten. Wenn alte Dinge doch nur ihre Geschichte erzählen könnten.
*lach* Vermutlich würde ich einen Herzinfarkt bekommen wenn das Buch plötzlich drauflosplaudern würde.
Wie war Franz Kajack wohl? War er ein freundlicher Mensch? Oder ruppig und herrschsüchtig? Ein Dandy oder ein liebenswürdiger Familienmensch? Wie war sein Leben? Zufrieden und glücklich, oder ruhelos und von Leid gefüllt?
Ich werde es wohl kaum herausfinden. Jetzt werde ich das Buch wieder zurück in die Bücherkiste legen und irgendwann in ein paar Jahren wird es mir wieder in die Hände fallen. Oder später irgendwann eines meiner Kinder, die sich dann fragen was ich mit diesem alten Schinken wollte. Oder es geht irgendwann in ihren Besitz über und sie wissen gar nicht mehr woher sie es haben..
Ich hoffe nur es landet nicht irgendwann achtlos in der Mülltonne.
Frauenzimmer - 19. Sep, 20:43

