Harry, fahr schon mal den Wagen vor / II.
Ich konnte nicht anders. Ich mußte dort anrufen.
Wir plauderten eine Weile am Telefon und verabredeten uns dann für den kommenden Sonntag. Treffpunkt Post, einer gemütlichen Kneipe die auch Sonntags noch genügend besucht war und die neutrales Gebiet sicherte. Ich war zwar verrückt, aber so verrückt mich mit dem Burschen in seiner Wohnung zu treffen, wie er es eigentlich gerne gehabt hätte, war ich nicht. Wir verabredeten also uns vor der Türe der Kneipe zu treffen, damit wir kein lächerliches Erkennungszeichen überlegen mußten.
Dort stand ich also nun und hauchte mir nervös meine Malboro weg. Der Herr lies ein halbes Stündchen auf sich warten und gerade als ich nach Hause wackeln wollte kam er in seinem konkret krassen BMW um die Kurve geschreddert. Geöffnetes Fenster, Ellenbogen souverän ans Metal geschmiegt, Sonnenbrille lässig im leicht krausen Haupthaar. Owei! Als er sich dann endlich aus dem Wagen geschält hatte, konnte sich der "Rest" doch sehen lassen. Knackarsch, nettes Hemd, geputzte Schuhe (smile).
Ich hakte mich freundschaftlich unter und wir plauderten ins Lokal.
Die ersten halbe Stunde verbrachte ich damit meine Personalien durchzugeben.
Mein Gott, was hatte ich erwartet. Der Knabe war Polizist.
Wir bestellten die ein oder andere Gerstenkaltschale und langsam lockerte sich die Stimmung und auch die Zunge meines Gegenübers.
Ich hätte stutzig werden müssen, als er mir zum Ende des Abends eröffnete, das er total vergessen habe Geld einzustecken. Er hätte es so schrecklich eilig gehabt um "pünktlich" zu sein. Ja ne, is klar. Frau ist ja modern. Was soll's. Ich zahlte seine Zeche halt mit.
Vom Regen in die Traufe, aber mit Schmackes.
Der Bursche war ein Geizhals vor dem Herrn. Ich meine, hey, ich bin durchaus in der Lage mir meinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Zudem zahle ich meine eigene Zeche durchaus und gerne. Mir muß niemand die Türe aufhalten oder den Arm bieten damit ich eine Pfütze umrunden kann. Ich bin schon groß, ich schaff das.
Aber was Harry sich so vom Stapel ließ, das war schon ganz großes Kino.
Er schaffte es immer wieder das ich latzen durfte. Keine Ausrede war ihm fremd.
Warum hatte ich gleich noch einmal die Anzeige aufgegeben?
Richtig, ich war einsam, untersext und wollte ein Abenteuer.
Abenteuer.. *auflach*
Der Typ war strunzlangweilig. Alles an ihm war es. Seine Bude, sein Leben, seine Geschichten, der Sex mit ihm.
Seine Macken nervten mich (er kämmte sich mit Inbrunst die Augenbrauen bevor er das Haus verließ. KEIN SCHERZ. Er aß bis ihm übel wurde, um Himmels Willen nichts verschenken), sein Geiz nervte, sein Dienstplan, seine Kollegen , die sich immer nen anzüglichen Witz über Waffen und Handschellen rausleierten, (ok, verständlich, aber irgendwann wirds langweilig Jungs).
Einmal fuhren wir gemeinsam über ein verlängertes Wochenende nach Holland ans Meer. Gemütliches kleines Häuschen in Strandnähe. Muss ich erwähnen das ich buchte und schon mal die Kosten "vorstreckte"? Selbstverständlich fuhren wir mit meinem Wagen, einem niedlichen, knallroten Mini. Das Gepäck bis unters Dach geschnallt. Sein BMW stand schonend in der Garage.
Schon auf dem Weg nach Holland hätte ich ihn beinahe am Rastplatz angebunden ausgesetzt. Soweit war ich, echt, das mir, sonst absolut mittig, ausgeglichen, souverän, adrett anzuschau.. Wie? Ja, 'tschuldigung. *hüstel*
" Du fährst zu schnell, du fährst zu langsam, wenn du so und so fährst nutzt du die Reifen einseitig ab, hast du das Schild da gerade gesehen, HIER IS FUFFZIG, wie lange dauerts wohl noch, du kuppelst zu spät, zu früh, zu irgendwas, lass doch, das Radioprogramm ist doch viel schöner als deine Kassette, wer hört überhaupt noch Kassette, ich habe hunderte von CD's, du mußt blinken wenn du wieder zurück auf die rechte Spur fährst, ras doch nicht so, wir haben doch Zeit, wann läuft bei deiner Kiste eigentlich der TüV ab, fahr nicht so nah auf,..blaaaaa blaaaaa blaaaa blaaaa"
Drei Stunden Fahrt können unendlich lang sein.
Im Haus angekommen wurde gleich weitergemeckert. Kein Fernseher, dabei war doch Tennis. Am Strand war's zu windig, im Städtchen zu viele Touris, im Haus zu langweilig. Gemütlich zu kochen war ihm zu blöd, lieber essen gehen. Dummerweise hatte er die Börse im Haus liegen lassen. Na mach doch mal schnell...
Hmpf....
Die Rückfahrt war meinerseits schon etwas unterkühlt und schweigsam. Die Stille wurde nur durch seine weiteren Muffeleien unterbrochen.
Ich setzte ihn vor seiner Bude ab, wünschte ihm ein schönes Leben und gab Gummi. Zu Hause angekommen steckte ich das Telefon aus, schaltete die Klingel ab und knallte mir ansonsten für die kommenden Tage den Terminplaner voll.
Ein paar Wochen später sah ich dann Nachts noch gelegentlich einen Streifenwagen in der Parkbucht gegenüber meiner Türe parken oder in der Straße patrollieren.
Ob es Harry war? *schulterzuck*
Ein paar Jahre später traf ich ihn noch einmal. Altweiberdonnerstags in der Altstadt.
Ich war mit ein paar Mädels unterwegs und er mit seinen (immer noch blöde grinsenden) Kollegen. Er erzählte mir das er inzwischen Vater sei, geschieden und das er immer noch jede Woche das Anzeigenblättchen studiert.
Wir plauderten eine Weile am Telefon und verabredeten uns dann für den kommenden Sonntag. Treffpunkt Post, einer gemütlichen Kneipe die auch Sonntags noch genügend besucht war und die neutrales Gebiet sicherte. Ich war zwar verrückt, aber so verrückt mich mit dem Burschen in seiner Wohnung zu treffen, wie er es eigentlich gerne gehabt hätte, war ich nicht. Wir verabredeten also uns vor der Türe der Kneipe zu treffen, damit wir kein lächerliches Erkennungszeichen überlegen mußten.
Dort stand ich also nun und hauchte mir nervös meine Malboro weg. Der Herr lies ein halbes Stündchen auf sich warten und gerade als ich nach Hause wackeln wollte kam er in seinem konkret krassen BMW um die Kurve geschreddert. Geöffnetes Fenster, Ellenbogen souverän ans Metal geschmiegt, Sonnenbrille lässig im leicht krausen Haupthaar. Owei! Als er sich dann endlich aus dem Wagen geschält hatte, konnte sich der "Rest" doch sehen lassen. Knackarsch, nettes Hemd, geputzte Schuhe (smile).
Ich hakte mich freundschaftlich unter und wir plauderten ins Lokal.
Die ersten halbe Stunde verbrachte ich damit meine Personalien durchzugeben.
Mein Gott, was hatte ich erwartet. Der Knabe war Polizist.
Wir bestellten die ein oder andere Gerstenkaltschale und langsam lockerte sich die Stimmung und auch die Zunge meines Gegenübers.
Ich hätte stutzig werden müssen, als er mir zum Ende des Abends eröffnete, das er total vergessen habe Geld einzustecken. Er hätte es so schrecklich eilig gehabt um "pünktlich" zu sein. Ja ne, is klar. Frau ist ja modern. Was soll's. Ich zahlte seine Zeche halt mit.
Vom Regen in die Traufe, aber mit Schmackes.
Der Bursche war ein Geizhals vor dem Herrn. Ich meine, hey, ich bin durchaus in der Lage mir meinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Zudem zahle ich meine eigene Zeche durchaus und gerne. Mir muß niemand die Türe aufhalten oder den Arm bieten damit ich eine Pfütze umrunden kann. Ich bin schon groß, ich schaff das.
Aber was Harry sich so vom Stapel ließ, das war schon ganz großes Kino.
Er schaffte es immer wieder das ich latzen durfte. Keine Ausrede war ihm fremd.
Warum hatte ich gleich noch einmal die Anzeige aufgegeben?
Richtig, ich war einsam, untersext und wollte ein Abenteuer.
Abenteuer.. *auflach*
Der Typ war strunzlangweilig. Alles an ihm war es. Seine Bude, sein Leben, seine Geschichten, der Sex mit ihm.
Seine Macken nervten mich (er kämmte sich mit Inbrunst die Augenbrauen bevor er das Haus verließ. KEIN SCHERZ. Er aß bis ihm übel wurde, um Himmels Willen nichts verschenken), sein Geiz nervte, sein Dienstplan, seine Kollegen , die sich immer nen anzüglichen Witz über Waffen und Handschellen rausleierten, (ok, verständlich, aber irgendwann wirds langweilig Jungs).
Einmal fuhren wir gemeinsam über ein verlängertes Wochenende nach Holland ans Meer. Gemütliches kleines Häuschen in Strandnähe. Muss ich erwähnen das ich buchte und schon mal die Kosten "vorstreckte"? Selbstverständlich fuhren wir mit meinem Wagen, einem niedlichen, knallroten Mini. Das Gepäck bis unters Dach geschnallt. Sein BMW stand schonend in der Garage.
Schon auf dem Weg nach Holland hätte ich ihn beinahe am Rastplatz angebunden ausgesetzt. Soweit war ich, echt, das mir, sonst absolut mittig, ausgeglichen, souverän, adrett anzuschau.. Wie? Ja, 'tschuldigung. *hüstel*
" Du fährst zu schnell, du fährst zu langsam, wenn du so und so fährst nutzt du die Reifen einseitig ab, hast du das Schild da gerade gesehen, HIER IS FUFFZIG, wie lange dauerts wohl noch, du kuppelst zu spät, zu früh, zu irgendwas, lass doch, das Radioprogramm ist doch viel schöner als deine Kassette, wer hört überhaupt noch Kassette, ich habe hunderte von CD's, du mußt blinken wenn du wieder zurück auf die rechte Spur fährst, ras doch nicht so, wir haben doch Zeit, wann läuft bei deiner Kiste eigentlich der TüV ab, fahr nicht so nah auf,..blaaaaa blaaaaa blaaaa blaaaa"
Drei Stunden Fahrt können unendlich lang sein.
Im Haus angekommen wurde gleich weitergemeckert. Kein Fernseher, dabei war doch Tennis. Am Strand war's zu windig, im Städtchen zu viele Touris, im Haus zu langweilig. Gemütlich zu kochen war ihm zu blöd, lieber essen gehen. Dummerweise hatte er die Börse im Haus liegen lassen. Na mach doch mal schnell...
Hmpf....
Die Rückfahrt war meinerseits schon etwas unterkühlt und schweigsam. Die Stille wurde nur durch seine weiteren Muffeleien unterbrochen.
Ich setzte ihn vor seiner Bude ab, wünschte ihm ein schönes Leben und gab Gummi. Zu Hause angekommen steckte ich das Telefon aus, schaltete die Klingel ab und knallte mir ansonsten für die kommenden Tage den Terminplaner voll.
Ein paar Wochen später sah ich dann Nachts noch gelegentlich einen Streifenwagen in der Parkbucht gegenüber meiner Türe parken oder in der Straße patrollieren.
Ob es Harry war? *schulterzuck*
Ein paar Jahre später traf ich ihn noch einmal. Altweiberdonnerstags in der Altstadt.
Ich war mit ein paar Mädels unterwegs und er mit seinen (immer noch blöde grinsenden) Kollegen. Er erzählte mir das er inzwischen Vater sei, geschieden und das er immer noch jede Woche das Anzeigenblättchen studiert.
Frauenzimmer - 25. Sep, 02:09


weil... frau dann weiss, was sie auf keinen Fall möchte, gell?!