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Hotel Ponzo... nichts als die Wahrheit... Teil 3

We have a dream........
Wir sind ja so was von kreativ, dat passt auf keine Kuhhaut ich sach et Ihnen aber.
Gestern waren wir mal wieder beim üblichen Diner, ich durfte Frau Prof. füttern, erst zu späterer Stunde fiel mir dann auf, dass sie doch noch eine brauchbare Hand hat. Also führte ich ihr artig die Gabel zu Munde und wischte denselben fürsorglich mit der Serviette ab. Gab ihr reichlich Wein zu trinken, damit sie endlich ruhig ist. Weit gefehlt Frau S. wurde immer ausgelassener. Auch Herr Sondermann und meine Wenigkeit hatten ein wenig zu tief ins Glas geschaut. Nachdem wir das Buffet restlos geplündert und außer uns niemand mehr im Hotel unterwegs war, kam´s Herrn Sondermann. Also nur gedanklich!
Plötzlich wurde er von der Muse geküsst, meinte er wolle jetzt Lagerfeueratmosphäre und wir sollten ihm unauffällig in sein Zimmer folgen. Beschwingt kamen wir dieser Aufforderung nach und zogen fröhliche Liedchen trällernd in sein Zimmer. Auf dem Balkon entfachte Herr Sondermann ein Lagerfeuer, zu dem man getrost SIE sagen konnte. Dann machte er sich noch mal flugs auf und brachte das Keyboard der Hausband mit. Das stöpselte er ein und klimperte so vor sich hin. Davon animiert, eilte ich in mein Zimmer und holte meine Wandergitarre, nebst Verstärker und auch Frau S. wollte uns in nichts nachstehen und holte ihrerseits ein paar große Suppentöpfe und Kochlöffel aus der Küche.
Dann ging’s aber los! Zunächst dauerte es natürlich ein Weilchen, bis wir uns aufeinander abgestimmt und eingespielt hatten.
Wir reihten uns um das Lagerfeuer und begannen wie wild drauf los zu rocken. Ich war überrascht wie rockig Herr Sondermann singen kann. Noch mehr überraschte mich der tiefe sonore Bass von Frau Professor S. .O.K. ich war ein wenig erkältet und meine Stimmlage ein wenig kratzig. Eine neue Band ward geboren!
Da Herr Sondermann derjenige war, der uns auf die Idee brachte und die Idee quasi an der Hotelbar entstand, nennen wir uns nun "Sonderbar".
Ganz nach dem Motto „ We have a Dream, wir wollen auf’s Traumschiff“, haben wir ein Liedchen aufgenommen. Die etwas leierige Aufnahme bitten wir zu entschuldigen, mein Diktiergerät ist ja schließlich auch nicht mehr das neueste.

Viel Spaß: (hier war ein Link eingebaut)

Kommentare dazu:

(12.8.04 09:15)Frau S.
Also, meine Teuerste, es mag ja sein, dass Sie ganz nett auf der Klampfe schrummeln können und auch ein hübsches Stimmchen haben. Aber, bei allem Respekt, das mit der Technik sollten Sie doch noch mal etwas üben. Ich kann jedenfalls unsere legendären Konzertaufnahmen weder sehen noch hören. Oder liegt das an meinem eigenen Unvermögen? Kriegt irgendjemand anders das hin? Herr Sondermann? Frau Ponzo? Wer auch immer?
nixhörender / Website (12.8.04 10:26)
Tja, dat scheint wohl eher ein Urlaub für Gehörlose zu sein, vielleicht ganz jut, dass Sonderbar sonderbar stumm bleibt
12.8.04 12:20)Frau M.
Wie? Watt? Sie hören nix Frau Prof.?? Ja Kruzifix, hatte der Sturz doch schlimmere Auswirkungen? Hören andere etwa auch nix?? Hallo!!! Sach ma, hört mich denn jemand?? Bin ich überhaupt von dieser Welt?? Oder fange ich langsam schon an Stimmen zu hören? *mal hektisch im Medikamentenschränkchen rumwühl* Aaaaah ich glaube ich probiere heute mal die blauen Pillchen. *schluck* Also ich kann die Musik immer noch hören!! *panisch guck*
Erwin Sondermann (12.8.04 13:22)
Was heißt denn hier Musik, werte Frau M.? Ich höre auch nichts! Aber wenn ich den erwische, der meine Grunge-Gitarre gestimmt hat ....
(12.8.04 13:22)Frau S.
Na, ich bin ja nicht die Einzige hier, die nix hört. Die "nixhörende" hört ja, wie der Name schon sagt, auch nix.... Also, ich fürchte, liebe Frau M., vielleicht bekommt Ihnen dieses ewige Gefeiere im Hotel Ponzo doch nicht so gut. Oder war Ihr Ondulierstab zu heiß? Und was um Himmels Willen sind das für Pillen, die Sie da grade in Kilopaketen in sich reinstopfen? Ich fange an, mir Sorgen zu machen.
(12.8.04 15:32)Frau S.
He - Herr Sondermann und ich haben ja zur selben Zeit losgeplappert. Wenn das kein Zeichen für engste mentale Verbundenheit ist. Wie heißt es doch immer so schön: Zwei Doofe, eine Gehirnleere - oder so...?
Oh, und eben sehe ich, dass die nixhörende ja ein "der" ist. Meine eigene Wahrnehmung ist wohl auch etwas eingeschränkt. Das kommt alles nur durch dieses blöde Matschauge....
(12.8.04 21:10)Frau M.
Wie jetzt auch noch ein Matschauge Frau Professor? Wie ist ihnen denn das wieder passiert?

(12.8.04 22:00)Frau S.
Das steht alles in meinem sehr geheimen und sehr privaten Rapunzel-Log.


(12.8.04 22:15)Frau M.
Ach soooooooooo!!!!
Na dann wollen wir es mal nicht an die große Glocke hängen, nicht wahr?

12.8.04 22:18)Frau S.
Ich bitte darum. Es ist mir auch ein bisschen peinlich. So viel Ungeschicklichkeit. *schäm*

(12.8.04 22:36)Frau M.
Was ist dieses winzige Ungeschick schon im Vergleich zu dem was wir auf der Reise schon alles mitgemacht haben? Nu sind se mal nicht so weichlich, nehmen eine von meinen blauen Pillchen und gleich gehts ihnen wieder hervorragend!
*mal ein Pillchen zwischen die Schneidezähne schiebt*

(13.8.04 09:12)Frau S.
Ja, ja, Sie haben ganz Recht. Was haben wir nicht schon alles erlebt und erlitten. Der Regen heute erinnert mich wieder an den Start unserer Reise, als wir im ströhmenden Regen auf Herrn Sondermann warteten und der Depp uns mit den Müllcontainern verwechselte und einfach an uns vorbei brauste. Nee, das war aber auch ein Drama! Ausgekugelte Arme und Matschaugen sind ja ein Lacher dagegen.

nur mal eben...
Na so was. Ich wollte nur mal schnell nach dem Rechten sehen. Hier tobt ja anscheinend der Bär während meiner längst überfälligen Abwesenheit.
In diesem Berlin-Kreuzberger-Hotel, vor dem sich drei potentielle Gäste fotografieren ließen, war die Oberrezeptionnistin anscheinend auch verreist. Man musste eine steile Treppe erklimmen, um dann verzweifelt nach einem Angestellten Ausschau zu halten. Nur eine junge Frau lümmelte sich auf dem Sofa. Auf die Frage nach den Zimmerpreisen antwortete sie nur: "Da müssen Sie im Internet gucken, dort gibt es eine Preisliste." Na das ist ja fast wie bei uns im Hotel Ponzo, Paris!!
Im Stettiner Hotel (ein augenscheinlich ehemaliges Gefängnis, mit langen, spärlich beleuchteten Gängen, Gitterstäben vor dem Fenster) stiegen wir nach einer Nacht im Zelt ohne Matten auf gut Glück ab. Die Rezeptionnistin verstand unsere Frage nach den Preisen einfach nicht. Komisch, was könnte man denn sonst noch wissen wollen? Der Kaffee am nächten Morgen war ungeniessbar. Na das ist ja fast wie bei uns im Hotel Ponzo, Paris!!
Die Nahrungsaufnahme besonders während unserer Polska-Reise war auch besonders wohltuend. Neben Litern von Bier, entdeckten Pan und Pani Ponzo insbesondere die lokalen Spezialitäten namens Pierogi. Im Restaurant des Campingplatzes liess Pan Ponzo seiner Pani Ponzo freie Hand. Die bestellte sogleich 1) Barszcz (Rote-Rübensuppe mit Einlage) z pierogiem, 2) pierogi russkie, 3) pierogi polskie. Die Tischnachbarn waren auch in die Piroggenfalle gefallen, während die Franzosen, die als einzige innen Platz genommen hatten, sich an ihrem Jägerschnitzel erfreuten. "Je t'ai dit, il faut pas commander la salade. Mais manges ça maintenant. C'est pas cher!" Die schlauen Deutschen ernährten sich von Pommes mit Pommes und Pommes.
Apropos Nahrungsaufnahme. Bereits in Berlin fielen icke und er in folgende Falle: Nach ungewohntem Morgenkaffee literweise wollten wir ein bisschen Kreuzberg besichtigen. Zu Fuss ging es also mal wieder Richtung Oranienstrasse, wo wir ein kleines Bierchen einnahmen. Plötzlich verspürten wir unerträglichen Hunger, warteten die Öffnung des indischen Lokals 'Amrit' um 12:00 Uhr ab, um uns dann gleich genüsslich auf der Terrasse zu installieren und wie die echten Franzosen ein ganzes Menü zu bestellen. Vorspeise, Hauptgang, Salat, Brot, Wein usw. Wir hatten aber nicht bemerkt, dass es mittags sowieso kostenlos und ungefragt dazu Salat und Suppe gab. Plötzlich war der ganze große Tisch voll mit unseren Speisen. Wir hätten eine ganze Fussballmannschaft damit ernähren können. Vor lauter Verzweiflung und zur Spülung bestellten wir noch mehr Wein. Von verschiedenen Häppchen üppigster Teller gesättigt, übermannte uns plötzlich eine bleierne Müdigkeit und wir schleppten uns in den nahegelegenen Park am Mariannenplatz, wo wir dann eine kleine Siesta einlegen mussten.

Kommentare dazu:
(13.8.04 13:26)
Ich glaube, mit Ihnen essen zu gehen, scheint ein echter Geheimtipp zu sein. Irgendwie haben Sie Talent dafür, für ganz wenig Geld gaaaanz viel Essen zu organisieren. Willkommen daheim. :-)

Kulinarisches

Meine ganzen äußeren Verletzungen (von den inneren ganz zu schweigen!)
hindern mich nicht daran, weiterhin einen gesunden Appetit zu
entwickeln. "Und dass du ja ordentlich isst!" gaben Freunde und
Familienangehörige mir vor dieser Reise mit auf den Weg, und diese
kleine Drohung habe ich mir doch sehr zu Herzen genommen. Ich fürchte,
sie werden mich bei meiner Rückkehr auf die Waage stellen, und wenn das
Kind nicht mindestens fünf Kilo zugenommen hat, dann wird es kurzerhand
noch mal bei der nächsten Kinderlandverschickung mitgeschickt und
muss wochenlang Haferflockenpampe und Kakao mit dicker Haut oben drauf
zu sich nehmen. Brrrrrrr....

Da ziehe ich es dann doch lieber vor, mich täglich im Hotel Ponzo
verwöhnen zu lassen. Die Kaltmamsell bereitet inzwischen mit ihren
eiskalten Händchen und dem noch kälteren Grinsen im Gesicht äußerst
heiße Speisen zu - allerdings nur, weil sie es noch nicht geschafft
hat, sich von der schweren Kugel zu befreien, die an einer Kette an
ihrem Fuß hängt. Aber manche Menschen muss man einfach zu ihrem
Glück zwingen. Ich wette, die Dame wusste bisher selber nicht, dass sie
die beste Pasta-Köchin in ganz Frankreich ist. Darum werde ich
mir jetzt auch gleich eine Extra-Portion von ihr servieren lassen - mit
schön viel frischem Knoblauch. Heute ist ausnahmsweise mal keine Party
angesagt. Es besteht also die Möglichkeit, dass ich den Abend durchaus
ohne Herrenbegleitung verbringe - und die Nacht sowieso. Obwohl das
eigentlich schade ist. Bei dieser Hitze hat man doch irgendwie immer
ganz besonders große Lust.... So ein bis zwei schnuckelige Jungs könnte
ich vielleicht doch noch als Nachtisch.... hm, aber dann muss die
Köchin den Knoblauch weglassen... Ich werde mal eben rüber marschieren
und es ihr sagen. *energisch durch die Gänge schlappt*

Aber, oh, was ist denn das da? An der Rezeption sitzt ja gar nicht mehr
der gefriergekühlte Rezeptionist. Da sitzt eine fremde Frau. Was soll
das denn? Das hier ist doch kein Selbstbedienungsladen. Als wenn hier
jeder mal Rezeptionist spielen dürfte. He, Sie da, was machen Sie denn
da? Die Schlüsselgewalt habe ich, solange Frau Ponzo nicht da
ist. Und alles andere wird hier in demokratischer Abstimmung geregelt.
Also, was suchen Sie da hinter dem Tresen? Wie - Sie sind Frau Ponzo?
Ha, dass ich nicht lache. Frau Ponzo sieht ganz anders aus. Auf dem
Foto, das sie mir mal geschickt hat, hatte sie lange Haare und
überhaupt. Abgeschnitten? Die Haare? Jetzt kommen Sie mir aber nicht
so. Sonst schneide ich hier gleich noch ganz andere Sachen ab. *mal
eben über den Tresen hüpft und der Dame auf der anderen Seite das
Telefonbuch um die Ohren donnert* Hups, die hält ja nicht viel aus.
Gleich umgekippt....

Huhu, ist hier jemand und kann mir mal helfen, diese Dame hier zu entsorgen? Frau M.? Herr Sondermann? Zu Hülfe!!!

Kommentare dazu:
(15.8.04 16:27)Frau M.
*mal der armen Frau Ponzo kühle Luft zufächel* Wie jetzt, da kam wirklich eine Frau über die Theke gehüpft und hat ihnen eins über die Rübe gegeben? Unverschämt! *mal die Beine noch ein wenig höher lagert* Sie hat behauptet sie hätte die Schlüsselgewalt? Ja wer macht denn so was? *im Geheimen schon Frau Prof. S in Verdacht hat, die will immer die Macht haben....* Nun bleiben se mal liegen, wie, sie wollen die Polizei rufen? *also wenn das doch die Frau Professor war..... wie box ich die da nur raus?????* Neee Frau Ponzo, hier in Frankreich wird nix so heiß gegessen, wie’s gekocht wird, das hat mir ihre geknechtete Kaltmamsell schon längst erzähl! Nu lassen se mal, das war sicher ein Missverständnis, ich kümmere mich schon darum, echt. Wie sah die Dame denn aus? Kurzer Rock, kurzes Haar, Brille, große Klappe.... *OHJEE!!!* Ich muss mal schnell was erledigen....
Mal ein Briefchen an Frau Professor kritzel
FRRRRAU S!!!! Wat hammse denn da wieder angerichtet? Wir müssen unauffällig fliehen. Oder sie entschuldigen sich bei der armen Frau Ponzo, aber dalli. Ich erwarte sie in einer Stunde in meinem Zimmer zur Lagebesprechung.

Mea Culpa - ein Versuch
Da hat die Frau M. mich ja vielleicht zusammengestaucht, alle Achtung! Ja, was eine echte Mutter ist, die weiß, wie sie ihre Gören zur Ordnung rufen muss. Und mich auch. Dabei war das doch alles nur ein dummes Missverständnis. Ich konnte doch nicht ahnen, dass die Dame da hinterm Tresen die echte Frau Ponzo war. Die hätte sich aber ja auch vorher mal ankündigen können, ehrlich! Erst monatelang verschwinden und das Hotel dem Untergang preisgeben und dann einfach so mir nichts dir nichts wieder auftauchen. Das ist doch keine Art. Statt hier rumzumosern und die Polizei zu rufen, hätte sie ja zum Beispiel mal sagen können: "Danke schön, liebe Frau S., dass seit Ihrer Anwesenheit immer alle Zimmer voll belegt sind." Jawohl! Muss ja keiner wissen, dass die Hälfte der Gäste aus Freunden, Verwandten und Ex-Liebhabern von mir besteht, die ich zu einem, na, sagen wir mal, äußerst günstigen Preis hier wohnen ließ. Auf jeden Fall macht ein volles Haus immer einen guten Eindruck. Wenn Touristen kommen, die ein Zimmer suchen, dann sage ich immer ganz souverän: "Tut mir Leid, wir sind leider voll belegt. Unser Haus ist sehr beliebt." "Was heißt denn hier IHR Haus?" schnaubt da die Ponzo beleidigt. "Sie tun ja grade so, als währen Sie hier die Managerin. Und dabei sind Sie noch nicht mal die Rezeptionistin. Denn die bin nämlich ICH, jawohl! Und jetzt ist Schluss hier mit dem ganzen Zirkus. Sind Sie überhaupt in der Lage, die Kosten für Ihr Zimmer zu zahlen? Wie lange Sind Sie jetzt schon hier? 47 Tage? Das macht....mal schnell im Kopf überschlag....4700 Euro - bis heute." 4700 Euro??? Ja, tickt die Frau noch ganz richtig? Das sind ja 100 Euro pro Tag. Und das alles für diese Bruchbude und dafür, dass ich kaum eine Nacht alleine in meinem Bett schlafen durfte? Hat die eine Ahnung davon, was das für ein Stress ist, jede Nacht einen neuen Kerl neben sich zu haben? Und was ist überhaupt mit Langzeit-Rabatt? "Hier gibts nur Langzeit-Zuschlag", brummt die Ponzo. "Weil Gäste immer dreister werden, je länger sie da sind." Aha. Das hätte einem ja auch mal eher jemand sagen können. Schade, dass ich statt des Telefonbuchs nicht die große Bleikugel der Kaltmamsell genommen habe, um sie Frau Ponzo um die Ohren zu donnern.
Nix mea culpa. Mea stinkesauer.

Kommentare dazu:
(15.8.04 22:51)Frau M.
*mal beschwichtigend auf Frau S. einredet* Nicht doch, nicht doch, wir behaupten einfach, wir wären erst gestern angereist. Soll die Frau Ponzo uns mal das Gegenteil beweisen. Hier herrschte doch das Chaos in Tüten, da haben alle längst den Überblick verloren. Wie? Die Putzfrau, die Kaltmamsel, der verfrorene Rezeptionist? Die haben viel zu viel Angst vor uns, die machen den Mund nicht auf! Wir können ihnen aber noch mal vorsichtshalber drohen, dass wir anderenfalls jedes Jahr für ein paar Wöchelchen die Urlaubsvertretung für die Madame Ponzo übernehmen. Dat wirkt! Glauben se mir! Also abgemacht, wir sind erst gestern angereist, die Anreise war herrlich, wir bleiben nur noch ein paar Tage, muss mal grad überschlagen, ich hab eh nur noch 300 Öros in der Geldbörse. Guuuut ich könnte die vornehme Dame, deren Hund ich gefunden hatte evtl. aktivieren und sie darum bitten ein gutes Wort für mich einzulegen. Wenn ich das richtig verstanden habe gehört die nicht nur zur oberen Klasse hier in Paris, sondern hat auch noch gute Kontakte nach Italien! Sie verstehen! So familienmäßig. Mensch, Mafia, sie sind aber heute so was von zerstreut meine Liebe. Na wir weihen jetzt erstmal den Herrn Sondermann ein und dann schieben wir den vor. Der macht dat schon. Apropos wo is er denn?
(16.8.04 10:57)Frau S.
Ach, meine liebe Frau M., Sie sind doch eine wahre Freundin. *mal ein Tränchen aus den Augenwinkeln wisch* Ich war schon so was von verzweifelt, habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Dann zerren Sie mal Herrn Sondermann her und wir machen eine Lagebesprechung. Wo der ist? Der hockt bestimmt vorm Fernseher, um olympisches Gold im Dauerglotzen zu ergattern. Oder ist er etwa sogar schon auf dem Weg nach Athen?
(16.8.04 17:24)Frau M.
Bestimmt ist er das! Beim letzten Kontakt suchte er noch verzweifelt nach einer olympischen Disziplin, bei der er Ruhm erlangen könne. Ich fürchte nun versucht er so viele Eulen wie möglich nach Athen zu tragen, in der Hoffnung dadurch mit Gold belohnt zu werden. Der Herr ist ja so was von Metallsüchtig! Tja mal gucken wie sich das bei ihm noch entwickelt, sonst müssen wir notfalls hinterher, um ihn vor Schlimmeren zu bewahren. Oder was meinen Sie?
(16.8.04 17:39)Frau S.
Wir zwei nach Athen? Na, wenn das mal keine tollwütige Idee ist an diesem öden Montagabend. Ich geh mal Koffer packen. Oder was?
(17.8.04 01:50)Frau M.
Schon fertig, Koffer sind gepackt. Athen wir kommen! Ich geh dann schon mal raus und organisiere uns ein Fluchtfahrzeug, Pardon, ein Taxi zum Flughafen. Beeilen se sich Frau S. *draußen vor der Türe* *unauffällig rumbrüll* Taaaaxi! Taxi!!! Aaah da kommt ja schon eins, zum Flughafen aber dalli! *den Koffer auf den Rücksitz wuchtet und neben dem Fahrer Platz nimmt* Ach sie sprechen deutsch? Prima! Ja ich habe hier Urlaub gemacht, neee jetzt geht es nicht nach Hause, jetzt geht’s ab nach Athen, ja klar Paris ist wunderschön...plapper plapper *denkt: also irgendwie ....... irgendwie..... ist mir so als hätte ich was vergessen........grübel.......hach das passiert mir jedes Mal wenn ich verreise, ständig denke ich, ich hätte was nicht eingepackt oder vergessen das Licht auszuschalten, ist doch lachhaft Ha Ha Ha*
(17.8.04 10:36)Frau S.
He, wartet auf mich!!!! HAAAAALLLOOOOOO!!! *wild mit den Armen fuchtelt und laut hinter dem Taxi herbrüllt* Verfluchter Mist, elender. Jetzt ist diese dämliche Frau M. doch glatt ohne mich abgehauen. Und das, wo ICH hier den Riesenärger am Hals habe, nicht sie. Was mach ich denn jetzt nur, was mach ich nur, was mach ich nur? *panisch auf und ab rennt*

Liebes Gästebuch,

ich hocke alleine an der Bar im Hotel Ponzo und male mit meinem Lippenstift Muster auf Bierdeckel. Ich habe schon eine Tupfen-Serie beendet und mache mich nun an die etwas anspruchsvolleren Arbeiten mit Strichen und Linien. Meinen Werdegang als Künstlerin kann man vom ersten Bierdeckel an, auf dem ich noch etwas verschämt und verkrampft einen dicken Punkt setzte, bis hin zu meinem neuesten Werk, bei dem ich völlig entfesselt auch den Tresen und ein paar Barhocker mit einbezogen habe, gut verfolgen. Ich denke, nächste Woche bin ich so weit, um eine Ausstellung in der Hotelhalle vorzubereiten.

Auslöser dieser plötzlich zutage tretenden Kreativität war eigentlich meine übergroße Langeweile. Nach den vielen, sich überstürzenden Ereignissen der letzten Monate fiel ich auf einmal in ein Vakuum. Und aus dieser totalen Leere, diesem Nichts wurde meine Künstlerseele geboren. Ja, wer hätte das gedacht? Die kleine Frau S. wird zur großen Bierdeckel-Künstlerin.

Diese Phase der Langeweile war allerdings auch kaum noch zu ertragen. Was hatten wir vorher nicht alles erlebt? Diese monatelange Anreise nach Paris über Amsterdam, Kroatien, Biarritz, die Alpen und diverse Zwischenstationen, an die ich mich schon gar nicht mehr erinnern kann. Per Bahn, per Anhalter, im Taxi, auf dem Fahrrad und zu Fuß bewältigten wir diese Strecke, die andere, ungeübtere Reisende in anderthalb Stunden per Flugzeug zurücklegen und dabei die wahren Kostbarkeiten des Lebens übersehen. Und dann die Ankunft in Paris. Was für ein Empfang, was für ein Jubel - jedenfalls für die anderen. Ich selber brauchte leider alleine drei Wochen, bis ich das Hotel Ponzo in dieser großen Stadt dann auch fand und dann irrte ich noch einmal 37 Tage durch das Hotel, bis ich endlich meine Mitreisenden Frau M. und Herrn Sondermann wiederfand. Ach, das war ja vielleicht ein Hallo! *versonnen vor sich hinträumt*

Nur auf Frau Ponzo, die Rezeptionistin warteten wir vergeblich. Und als sie endlich aus ihrem dreimonatigen Kurzurlaub zurückkam, da passierte mir doch dieses elende Mißgeschick mit der peinlichen Verwechslung. Hach, nee, mir tut das inzwischen ja alles so was von total Leid. Ich würde ja glatt freiwillig noch ein paar Monate länger an der Rezeption sitzen, um das wieder gut zu machen. Aber ob Frau Ponzo das will, wage ich zu bezweifeln. Ein bisschen eifersüchtig auf meine Erfolge isse ja doch immer noch, fürchte ich.

Tja, und die anderen Herrschaften? Haben sich einfach verkrümelt, jawohl.
Herr Sondermann ist zum Sonderberichterstatter und Fürsprecher aller Verlierer, Nicht-Qualifizierten, Fußlahmen, Gedopten, vom IOC und sämtlichen nationalen Dachverbänden Ausgeschlossenen und Verdammten geworden. Er unternimmt täglich einen neuen Versuch, um selber auch noch mal nach einer Medaille zu haschen. Aber mal unter uns, wenn er nicht bald mal den Hintern von seinem Barhocker in dieser lausigen Theaterkantine hochkriegt, dann sehe ich da ganz schwarz.
Frau M. wollte mir eigentlich heldenhaft unter die Arme greifen, als ich die wildgewordene Frau Ponzo, den noch wilderen Herrn Ponzo, sämtliche Angestellten des Hotel Ponzo und die Pariser Polizei auf den Fersen hatte. Aber was soll ich sagen? Madame ließ mich im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen. Beim Flirten mit dem Taxifahrer vergaß sie doch glatt, auf mich zu warten. Nun ja, sobald Männer ins Spiel kommen, zerbrechen die meisten Frauenfreundschaften.

Dass ich diese Geschichte am Ende doch noch überlebte, lag wohl nur daran, dass meine ganzen Verfolger zufällig an einem Fernseher vorbeikamen, in dem grade die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele übertragen wurde. Nach dem Aufmarsch der 827. Nation war selbst der letzte Flic in einen komatösen Tiefschlaf gefallen und ich hatte endlich meine Ruhe.

Ja, und da sitze ich nun und fülle diese unerträgliche, einsame Stille und Eintönigkeit aus, indem ich eine weitere Serie "Bierdeckel mit Lippenstift" starte, diesmal unter Einbeziehen der frisch gebügelten und gestärkten weißen Damasttischdecken im Hotel-Restaurant. Bin gespannt, wie das bei den anderen Gästen ankommt.
Kommentare dazu:
MLLE P. / Website (24.8.04 20:18)
Ach sooooo! Sie langweilen sich auch, werte Frau S. Tja, wenn man zu lange im Hotel rumsitzt, bleibt das nicht aus...

Lieber Herr Sondermann,
heute habe ich bereits 123 Postkarten an Freunde und Verwandte geschickt. Nun will ich auch Ihnen einen kleinen Gruß zukommen lassen.
Hier im Hotel Ponzo ist es immer noch sehr still. Die meisten Gäste sitzen den ganzen Tag vor dem Fernseher und gucken Olympia. Ich gucke auch - in der Hoffnung, mal einen Blick auf Sie oder Frau M. werfen zu können. Die müsste doch inzwischen längst bei Ihnen gelandet sein, oder?
Und Sie sind ja schwer beschäftigt, wie ich lese und sehe. Oh - waren Sie das da etwa grade im Fernsehen mit dem lustigen bunten Hut und beim Ausüben eines wahrhaft extatischen Freudentänzchens? Na, vermutlich wohl nicht. Schätze, Sie bereiten sich grade auf den nächsten, großen Kampf vor. Ich bin ja sehr gespannt, was noch kommt. Immerhin - Ihre Berichte haben etwas Beruhigendes an sich. So weiß ich wenigstens jeden Tag, dass Sie noch leben und weder vom Pferd gefallen noch beim Turmspringen ertrunken oder beim Schießen im falschen Moment vor die Zielscheibe gesprungen sind.
Aber ich vermisse Sie ja doch ein wenig im Hotel Ponzo. Es ist so langweilig hier ohne Sie und Frau M. Ich hoffe sehr auf die Rückkehr von Frau Ponzo, aber bei der weiß man nie, ob sie nicht in einer Schublade noch ein paar Wochen vergessenen Urlaub entdeckt und den dann erst mal wieder abstaubt.
Vielleicht sollte ich auch noch nach Athen kommen. Ein bisschen Abwechslung könnte ja nicht schaden.
Mit den allerbesten Wünschen für weitere Medaillen und in der Hoffnung auf ein klitzekleines Lebenszeichen
Ihre Frau S.

Kommentare dazu:
Erwin Sondermann / Website (22.8.04 13:30)
Liebste Frau Rapunzel,
wie Sie richtig bemerkt haben, bin ich derzeit stark beschäftigt, Goldmedaillen zu sammeln und wieder aberkannt zu bekommen. Beides sehr anstrengende Tätigkeiten. Mit Sicherheit werde ich nach der Olympiade wieder das eine oder andere Trainingslager im Hotel Ponzo aufschlagen. Wer kann schon auf Dauer auf Sie oder Frau M. oder die charmante Reptionistin verzichten! Nur Leute ohne Internet, vermute ich mal.
(23.8.04 14:36)
Verehrter Herr Sondermann,
ich kann mir kaum vorstellen, dass überhaupt irgendjemand ohne uns auskommen kann - selbst Leute ohne Internet nicht.
Ich würde Ihnen ja zu gerne mal persönlich so einen hübschen Lorbeerkranz aufs Haupt drücken. Darum habe ich heute mal Preise verglichen. Wenn ich noch ein paar meiner Bierdeckel-Kunstwerke verkaufe, dann könnte ich mir ein Ticket Paris-Athen im Heißluftballon leisten. Etwas günstiger würde es, wenn ich mich den Wandervögeln anschließen würde, die so alt sind wie ihr Name und die Strecke zu Fuß zurücklegen wollen.
Mal sehn.
Mit den goldigsten olympischen Grüßen
Ihre Frau S.
Wandervogeloberhaupt / Website (23.8.04 15:00)
ja wie war es denn mit den wandervögeln?
sie trennten sich, weil sie konnten sich nicht einigen, die einen wollten lieber wandern und die anderen ...
vögeln
gutes tun ;-)
HELFT DEN ARMEN VÖGELN!!!!
(23.8.04 15:34)
Genau! Und verhelft der armen Frau S. zu einem 1. Klasse-Ticket nach Athen. Mit oder ohne Rumgevögele.

Antritt

Da bin ich wieder. Urlaub ist vorbei, erstmal. Meine Kollegen scheinen in der Zwischenzeit gut gearbeiet zu haben. Nur drei ganze Zimmer sind vermietet. Bravo! Eine nervige Tante habe ich bereits gesehen. Die tritt gleich so forsch auf, verlangt nach ihrem Schlüssel, kommt wieder runter und schmeisst mir ihr steinhartes Handtuch auf den Tresen. "Ich weiss nicht was es hat [das Handtuch], es ist steinhart und nicht gebügelt!" Tja sowas auch. Ich schmeisse das Handtuch in den Müll, suche das Schlüsselbund, um in den 6. Stock in die Wäschekammer zu fahren. Dort finde ich nur ungebügelte Handtücher vor. Egal. Ich nehme das neueste und noch ein grosses dazu. Sie bedankt sich artig. "Il n'y a pas de quoi." Bloss nicht hysterisch werden. Welcome back home!

Kommentare dazu:

(24.8.04 16:16)Frau S.
Huhu, Frau Ponzo, schön, Sie zu sehen!!!! *jubiliert, träller, träller* Gut sehn Sie aus, richtig schön erholt und entspannt. (Und bloß das Lächeln nicht vergessen. Ob se noch sauer ist auf mich? Hoffentlich nicht.) Endlich gibts hier mal wieder ein bisschen Unterhaltung. Das müssen wir aber gleich auch richtig feiern. Heute Abend an der Bar? Ich bin dabei

(24.8.04 16:18)
Hihihuhu!! Wieso sauer? Welche Bar? Wo bleibt die Wurst?

(24.8.04 17:48)Frau S.
Welche Wurst? Schwimmen Sie auch im Eintopf von Herrn LogMa(h)l? Und Sie wissen nicht, warum Sie sauer auf mich sein sollen? Umso besser. Der Schlag auf den Kopf hat Ihnen offensichtlich das Gedächtnis geraubt. *grinsend davon hüpft* Wir sehn uns in der Cocktail-Bar im Hotel Ponzo.


Urrrlaub mach mal Uuurlaub.....
ach ist dat herrlich hier! Gleich am ersten Tag bin ich auf Herr Sondermann gestoßen. Allerdingenskirchen bekomme ich ihn kaum zu Gesicht. Er ist viel zu beschaeftigt damit, sich eine neue Sportart auszudenken, bei der er dann endlich zu Ruhme kommen wird. Also ich finde das angesichts der hier herrschenden Temperaturen viel zu anstrengend. *ja danke der Cocktail ist fuer mich, wie? Telefon? kann gar nicht sein! Wer sollte mich hier schon anrufen und belaestigen wollen! Das kann nur ein Telefonscherz sein! Nein ich beliebe nicht zu telefonieren, wie auch noch ein R - Gespraech? Ha ha ha ha! Wohl verrueckt geblieben! Bringen se mir lieber noch so einen kalten Caipiranja oder wie dat Zeugs heisst, aber flotti Karotti!
AAACH ist das hier herrlich, ich erwaege fuer immer hier zu bleiben. Ich habe zwar staendig das Gefuehl das ich irgendwas wichtiges vergessen habe, aber wird schon nicht so schlimm sein, nech *albern kichert*
Singt: Urlaub mach mal Urlaub, pack deine sieben Sachen und dann machen wir Uuuurlaub.........

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