Anekd

Donnerstag, 8. Mai 2008

heute saufe ich mir einen an...

so dachte ich vergangenen Samstag. Wir saßen gemütlich in Nachbars Garten und dieser öffnete gutgelaunt die erste Flasche Wein. "Willste auch ein Schlückchen?"
"Och... hm.. wie viel haste denn von der Sorte?" fragte ich noch etwas zweifelnd.
"20 Flaschen!"
"OK! Dann lasset die Spiele beginnen"
"Oh, so schlimm?"
"Ja!"
"Alles klar, ich bin dabei" sprachs goss mir ne Kanne voll goldig-kühlem Wein ins Bodenväschen und los ging's.

Nett war's. Wir haben nicht viel geredet. Vielleicht drum.
Blöd nur.. ich vergaß dass ich eigentlich nix vertragen kann.

Nachdem wir beide uns dann im Verlaufe der Nacht knapp 4 Fläschken zu Gemüte geführt hatten wurde et für Muttern auf einmal ganz dringend Zeit nach Hause zu wanken. Wat ging mir das schlecht!

Schon auf den wenigen Metern Heimweg drehte sich die Erde plötzlich falsch herum. Mein leibeigener Prinzgemahl amüsierte sich köstlich über meine Ausfallschritte. Allerdings hatte sein Amüsement bald ein Ende. Nämlich spätestens dann, als ich im beheimateten Gästeklo das fünfte Mal mit Jörg telefonierte. Er zog schweigend und leicht angewidert die Türe zu und wünschte eine "gute Nacht".

Die hatte ich dann auch.. eine tolle Nacht in der ich mir das goldige Getränk gleich mehrfach durch den Kopf gehen ließ.
Der Sonntag war gelinde gesagt im Arsch!
So muss sich ein Glöckner Feiertags im Glockenturm fühlen.. Palimpalim..
Viel zu sonnig dieser Sonntag, viel zu hell, viel zu laute Vögel, viel zu viel von allem. So blieb nicht viel von meinem Wunsch mir einen anzutrinken, um mal ein paar Stunden an nix als an das Glas vor mir zu denken.
Außer vielleicht der Erkenntnis.. nicht mal saufen kann ich gescheit.

Dienstag, 25. September 2007

Harry, fahr schon mal den Wagen vor / II.

Ich konnte nicht anders. Ich mußte dort anrufen.
Wir plauderten eine Weile am Telefon und verabredeten uns dann für den kommenden Sonntag. Treffpunkt Post, einer gemütlichen Kneipe die auch Sonntags noch genügend besucht war und die neutrales Gebiet sicherte. Ich war zwar verrückt, aber so verrückt mich mit dem Burschen in seiner Wohnung zu treffen, wie er es eigentlich gerne gehabt hätte, war ich nicht. Wir verabredeten also uns vor der Türe der Kneipe zu treffen, damit wir kein lächerliches Erkennungszeichen überlegen mußten.
Dort stand ich also nun und hauchte mir nervös meine Malboro weg. Der Herr lies ein halbes Stündchen auf sich warten und gerade als ich nach Hause wackeln wollte kam er in seinem konkret krassen BMW um die Kurve geschreddert. Geöffnetes Fenster, Ellenbogen souverän ans Metal geschmiegt, Sonnenbrille lässig im leicht krausen Haupthaar. Owei! Als er sich dann endlich aus dem Wagen geschält hatte, konnte sich der "Rest" doch sehen lassen. Knackarsch, nettes Hemd, geputzte Schuhe (smile).
Ich hakte mich freundschaftlich unter und wir plauderten ins Lokal.

Die ersten halbe Stunde verbrachte ich damit meine Personalien durchzugeben.
Mein Gott, was hatte ich erwartet. Der Knabe war Polizist.
Wir bestellten die ein oder andere Gerstenkaltschale und langsam lockerte sich die Stimmung und auch die Zunge meines Gegenübers.
Ich hätte stutzig werden müssen, als er mir zum Ende des Abends eröffnete, das er total vergessen habe Geld einzustecken. Er hätte es so schrecklich eilig gehabt um "pünktlich" zu sein. Ja ne, is klar. Frau ist ja modern. Was soll's. Ich zahlte seine Zeche halt mit.

Vom Regen in die Traufe, aber mit Schmackes.

Der Bursche war ein Geizhals vor dem Herrn. Ich meine, hey, ich bin durchaus in der Lage mir meinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Zudem zahle ich meine eigene Zeche durchaus und gerne. Mir muß niemand die Türe aufhalten oder den Arm bieten damit ich eine Pfütze umrunden kann. Ich bin schon groß, ich schaff das.
Aber was Harry sich so vom Stapel ließ, das war schon ganz großes Kino.
Er schaffte es immer wieder das ich latzen durfte. Keine Ausrede war ihm fremd.

Warum hatte ich gleich noch einmal die Anzeige aufgegeben?
Richtig, ich war einsam, untersext und wollte ein Abenteuer.

Abenteuer.. *auflach*
Der Typ war strunzlangweilig. Alles an ihm war es. Seine Bude, sein Leben, seine Geschichten, der Sex mit ihm.
Seine Macken nervten mich (er kämmte sich mit Inbrunst die Augenbrauen bevor er das Haus verließ. KEIN SCHERZ. Er aß bis ihm übel wurde, um Himmels Willen nichts verschenken), sein Geiz nervte, sein Dienstplan, seine Kollegen , die sich immer nen anzüglichen Witz über Waffen und Handschellen rausleierten, (ok, verständlich, aber irgendwann wirds langweilig Jungs).

Einmal fuhren wir gemeinsam über ein verlängertes Wochenende nach Holland ans Meer. Gemütliches kleines Häuschen in Strandnähe. Muss ich erwähnen das ich buchte und schon mal die Kosten "vorstreckte"? Selbstverständlich fuhren wir mit meinem Wagen, einem niedlichen, knallroten Mini. Das Gepäck bis unters Dach geschnallt. Sein BMW stand schonend in der Garage.

Schon auf dem Weg nach Holland hätte ich ihn beinahe am Rastplatz angebunden ausgesetzt. Soweit war ich, echt, das mir, sonst absolut mittig, ausgeglichen, souverän, adrett anzuschau.. Wie? Ja, 'tschuldigung. *hüstel*

" Du fährst zu schnell, du fährst zu langsam, wenn du so und so fährst nutzt du die Reifen einseitig ab, hast du das Schild da gerade gesehen, HIER IS FUFFZIG, wie lange dauerts wohl noch, du kuppelst zu spät, zu früh, zu irgendwas, lass doch, das Radioprogramm ist doch viel schöner als deine Kassette, wer hört überhaupt noch Kassette, ich habe hunderte von CD's, du mußt blinken wenn du wieder zurück auf die rechte Spur fährst, ras doch nicht so, wir haben doch Zeit, wann läuft bei deiner Kiste eigentlich der TüV ab, fahr nicht so nah auf,..blaaaaa blaaaaa blaaaa blaaaa"
Drei Stunden Fahrt können unendlich lang sein.

Im Haus angekommen wurde gleich weitergemeckert. Kein Fernseher, dabei war doch Tennis. Am Strand war's zu windig, im Städtchen zu viele Touris, im Haus zu langweilig. Gemütlich zu kochen war ihm zu blöd, lieber essen gehen. Dummerweise hatte er die Börse im Haus liegen lassen. Na mach doch mal schnell...

Hmpf....

Die Rückfahrt war meinerseits schon etwas unterkühlt und schweigsam. Die Stille wurde nur durch seine weiteren Muffeleien unterbrochen.

Ich setzte ihn vor seiner Bude ab, wünschte ihm ein schönes Leben und gab Gummi. Zu Hause angekommen steckte ich das Telefon aus, schaltete die Klingel ab und knallte mir ansonsten für die kommenden Tage den Terminplaner voll.
Ein paar Wochen später sah ich dann Nachts noch gelegentlich einen Streifenwagen in der Parkbucht gegenüber meiner Türe parken oder in der Straße patrollieren.
Ob es Harry war? *schulterzuck*

Ein paar Jahre später traf ich ihn noch einmal. Altweiberdonnerstags in der Altstadt.
Ich war mit ein paar Mädels unterwegs und er mit seinen (immer noch blöde grinsenden) Kollegen. Er erzählte mir das er inzwischen Vater sei, geschieden und das er immer noch jede Woche das Anzeigenblättchen studiert.

Freitag, 14. September 2007

Harry, fahr schon mal den Wagen vor... Folge 1

Auch ich war einmal Single. Aus heutiger Sicht scheint mir das ewig her zu sein.
Gott was war das eine chaotische Zeit.
Ich bin schon recht früh zu Hause ausgezogen, hatte meine kleine Dachgeschoss-Wohnung. Weit genug vom Elternhaus, dass sie sich ins Auto setzen mußten um mich zu besuchen. Vorsichtshalber.
Wie das so ist, mit Anfang 20.
Dennoch, abends nach der Arbeit in eine verlassene Wohnung zu kommen ist auch nicht schön. Ich haßte es alleine zu sein. Daraus resultierten die merkwürdigsten Aktionen.
Ich habe mir beispielsweise eine Katze angeschafft. Ein eigensinniges Siam-Perser-Wollteppich-Mädchen mit blauen Augen und Puschelohren, dass ständig rollig zu sein schien, mir meine "gute" Lederimitat-Couch und sämtliche Zimmerecken zerkratzte und ein Wahnsinns Organ hatte.

Zudem hatte ich mich endlich gerade aus einer für mich damals typischen Verzweiflungs-Beziehung gelöst. Den Burschen hatte ich irgendwann mal in einer Kneipe aufgelesen. Einen Tag später zog er mit Sack und Pack bei mir ein. Er ließ sich gerne von mir bedienen, lebte bequem auf meine Kosten und war ein Spinner vor dem Herrn. Dennoch brauchte ich ganze zwei Jahre bis ich es schaffte ihn auf halbwegs manierliche Weise loszuwerden.
So war ich also wieder alleine. Irgendwann, aus einer Laune heraus gab ich eine verrückte Zeitungsannonce auf:

Fröhliche Sie, 22, sucht knackigen Polizisten mit Schnellfeuergewehr.
Melde dich blitzartig unter Chiffre...


Die nächsten Tage lief ich mit einem eingemeißelten Grinsen durch die Gegend.
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung was mich damals geritten hat.
Stark untersext? Zu viel Alkohol am Wochenende? Torschlußpanik?
Vermutlich von allem ein wenig.
Überraschenderweise bekam ich tatsächlich Anwort.

Hallo,
ich heiße Harry, bin ausgesprochen knackige 25 Jahre alt, Polizist.
Ich habe zwar kein Schnellfeuergewehr, aber ein hübsches Pistölchen.
Möchtest du uns kennenlernen? Ruf an unter Tel:........

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