Wenn ich noch Alkohol trinken dürfte, würde ich JETZT einen ausgeben.
Glück gehabt. Es sind nur zwei hübsche Entzündungsherde die da an mir rumknabbern.
Ok, auch die sind zu behandeln und die Behandlungsform ist für mich auch nicht ohne, aber drauf gepfiffen! *flöt*
Bei der OP im Mai letzten Jahres ist die Entzündung nicht zu Ende behandelt worden. Danke Herr Doktor! So suppt das seit geraumer Zeit in mir herum und hat sich blöderweise meine Leber und meinen Magen als neue Heimat ausgesucht.
Mit ein paar (die Tüte war voll...) Medikamenten, Spezialdiäten bzw. langfristiger Ernährungsumstellung, Alkohol- und Nikotinverzicht sollte das wohl alles auf die Reihe zu bekommen sein. In einem Monat wird kontrolliert ob diese Behandlung erfolgreich ist. Falls nicht werd ich wohl um´s Krankenhaus nicht herum kommen. Aber was soll ich mir Gedanken um ungelegte Eier machen, ich habe jetzt erstmal ein Ziel.
Eine Freundin meinte eben zu mir: "hey, du darfst ja jetzt quasi gar nix mehr was Spaß macht, nicht futtern, nicht rauchen, nix trinken.... darfste eigentlich noch sexeln ?"
Klar darf ich, un wie! Wat hab ich denn sonst... *kleiner Scherz am Rande*
Die ernsthaftere Antwort lautet... im Prinzip alles richtig, aber wenn man bedenkt wieviel Glück ich mal wieder hatte und das ich im Gegenzug noch einige Jährchen hier verweilen darf, dann ist es mir das allemal wert.
In diesem Sinne.. Das Leben ist herrlich, packen wir´s an!
Frauenzimmer - 22. Feb, 13:19
es waren genügend Alarmzeichen da. War ich blind weil ich nicht sehen wollte? Konnte ich sehen?
Seit ein paar Wochen, ich überlege heute schon den ganzen Tag seit wann genau, fühle ich mich wieder "grippig". In den letzten beiden Wochen kamen dann noch Doppelbilder dazu und gelegentlich neigte sich die Welt oder wirbelte um mich herum, sprich ich ging in die Knie und plumpste einfach um. Dazu Gliederschmerzen, Müdigkeit, Unruhe (eben das Gefühl... hallo Mädel... da ist was), Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfälle, Druck auf Augen und im Brustkorb, leichte Fieberschübe, genau wie vergangenes Jahr um diese Zeit.
Doch dieses Mal habe ich nicht vier Monate gewartet um dann auf der Intensivstation aufzuwachen. Näää diesmal waren es nur ca. 4-6 Wochen.
Is doch schon mal was, ne? Eben... *seufz*
Es kamen halt viele Faktoren zusammen. Nach der Kur war mein Arzt weg, hat die Praxis einfach aufgelöst und ich wusste nicht wo er abgeblieben ist. Die Kurklinik hatte alle Unterlagen dorthin geschickt. Suuupa....
Ich hatte also keinen Hausarzt mehr. Die Arbeitswelt hatte mich gleich am nächsten Tag nach meiner Rückkehr wieder am Schlawittchen und meinen privaten Alltagskampf mit 2 Ads-kids die einiges an Schulstoff aufzuholen hatten hatte ich auch noch zu erledigen. Über mein restliches "turbulentes" Privatleben möchte ich mich hier nicht weiter auslassen, nur soviel, et war nicht von schlechten Eltern.
Ehrlich gesagt. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen zum Arzt zu gehen.
In der letzten Woche bekam ich einen freundschaftlichen Tritt in den Arsch von Online-Kumpel Jörg der mich quasi direkt in die Praxis dieser Ärztin beförderte.
Ein kurzes Gespräch bei dem mir relativ schnell klar gemacht wurde dass diese Dame nicht zu Scherzen aufgelegt ist.
Innerhalb kürzester Zeit hat sie mir nen Augenarzttermin aufgebrummt, mich zur Blutabnahme und zur Sonographie einbestellt. In ein paar flinken Nebensätzen machte sie mich lieblich lächelnd derart zur Sau das ich versucht war die Hacken aneinander zuschlagen und jawohl Sir, Frau Dr. Sir, zu brüllen.
Die gute Nachricht ist, mit meinen Augen ist alles in Ordnung.
Die schlechte, heute wurde bei der Sonographie eindeutig die Ursache für meine Probleme gefunden. Gleich zwei meiner Organe sind diesmal betroffen.
In den nächsten Wochen wird sich entscheiden ob ich mal wieder Glück im Unglück habe und ich auch diesmal von bösartigem Krebs verschont bleibe (wie oft hat man eigentlich Glück im Leben? Ist das irgendwann aufgebraucht? ) oder ob es sich nur um Entzündungen handelt.
Nun ja, die Diagnose fegte mir zunächst die Beine weg, ließ mich dann sprachlos werden bis ich dann heute Nachmittag nach der Arbeit heulend und zähneklappernd zusammenbrach und mich in mein Bett verzog.
Im Augenblick schwanke ich ein wenig zwischen, klar werde ich das packen, egal was da kommt, ich werde kämpfen und leck mich doch am Arsch, ich mag nicht mehr.
Ich möchte das von meinen Kindern fernhalten, jetzt wo ich sie halbwegs wieder in Gang habe..
Ich glaub da muß ich jetzt erstmal ein bis zwei Nächte drüber schlafen.
Spätestens übernächste Woche werde ich wissen gegen was genau los ist.
Diese Ungewissheit ist eigentlich so ziemlich das schlimmste. Wir werden sehen...
Frauenzimmer - 13. Feb, 20:01
Ich möchte nicht vergessen! Nicht vergessen das ich ein Ziel habe, eine Aufgabe. Ich möchte nicht vergessen wer ich bin, was ich bin. Ich möchte nicht vergessen was wichtig ist im Leben.Jetzt geht es mir wieder gut, es dauert sicher noch eine Weile bis ich wieder normale Dinge erledigen kann wie einkaufen, Wäsche waschen. Es wird besser! Jeden Tag. Ich habe ein Ziel.... leben.
Wie durch dichte Watte sickern einige Satzfetzen durch bis in mein Gehirn.
Wo bin ich? Warum tut mir alles so weh? Warum bekomme ich keine Luft?
Ich versuche mich zu beruhigen, die Fetzen zu deuten die an mein Oberstübchen klopfen, bemühe mich die Übelkeit niederzukämpfen und zuzuhören.
…sind sie Angehörige……..dreieinhalb Stunden operiert….. ....ein Tumor……
…so groß wie eine Pampelmuse…..
…es bestand Lebensgefahr….es könnte sein…Krebs?..morgen werden wir mehr wissen… braucht Ruhe…
Ruhe! Ich fühle mich so unendlich müde, ich würde so gerne nachgeben. Es soll aufhören!
Ich kann diese Schmerzen nicht ertragen!
Tumult drängt sich in mein Ohr.
..beruhigen sie sich doch!...... es ist meine Tochter…hören sie.. meine Tochter!..niemand kann mich davon abhalten meine Tochter zu sehen…
Können diese Stimmen nicht endlich still sein? Was für ein schrecklicher Alptraum…
Ich wehe weg. Dunkelheit!
….. sie wird ruhiger…. aber der Blutdruck… noch mal den Arzt rufen…
Können die nicht endlich mal die Klappe halten?
Ich habe gerade geträumt. Ich sitze in einem großen Wagen auf dem Rücksitz. Ich bin ungeduldig. Ich muss doch schließlich eilig dahin! Wohin noch gleich? Ich weiß es nicht mehr. Nur das es ein weiter Weg ist und das dort meine Kinder warten. MEINE KINDER!
Sie sind allein! Sie brauchen mich! Ich rufe dem Fahrer zu das er sich gefälligst beeilen soll.
HERR GOTT! Soll denn meinen Kindern noch was passieren? Sie sind alleine, begreift er das denn nicht? Wir müssen noch so viele Kilometer fahren!Schneller!!! Ich habe ein ungutes Gefühl. Nervös trommel ich mit den Fingern, fummel an meiner Haarsträhne herum, die sich mir immer wieder ins Gesicht kringelt, sie versperrt die Sicht. Ich überlege. Habe ich genügend Proviant? Geld? Schaff ich das? Es ist ein weiter Weg, das weiß ich irgendwie ziemlich sicher. Kann ich notfalls laufen? Es wird dann aber noch länger dauern. Beeilen sie sich doch bitte! Fahren sie schneller! Meine Kinder.. sie brauchen mich, ich spüre es. Ich spüre außerdem das noch zwei weitere Personen im Wagen sind, die unbedingt möchten das ich zu meinen Kindern komme. Sie wollen mich begleiten, damit alles glatt geht. Es sind Frauen. Frauen die ich einmal gekannt habe, aber jetzt erkenne ich sie nicht. Es ist als wären mir ihre Namen entfallen. Oh bitte. Fahren sie doch schneller, rufe ich dem Fahrer durch die Anwesenheit der Frauen bestärkt zu. Der Fahrer dreht sich um. Es ist mein Großvater. Er lächelt! Wieso sitzt er am Steuer? Er kann doch gar nicht.. .. Panik kommt in mir auf. Er hatte doch einen Schlaganfall… war gelähmt.. bis er vor einigen Jahren dann…Er ist doch ....., wie soll ich denn so …. Das ist doch verrückt! HEH!!! LASS MICH ANS STEUER!!!!! Wie kann jemand der gar nicht am Leben ist ein Auto steuern? Das kann doch nicht gut gehen. Sollen wir denn verunglücken? Fährt er überhaupt in die richtige Richtung? Halt, sofort wenden! Die Kinder.. sie warten!
Er lächelt….mein Großvater strahlt mich regelrecht an… und rutscht zur Seite, damit ich fahren kann. Aufmunternd nickt er mir zu. Er streicht mir sanft über die Wange, schnallt sich an, deutet wortlos, aber energisch nach vorne. Gib Gas Mädchen! Gib Gas! Endlich!
Ich treibe an die Oberfläche. Wo bin ich? Verschwommene Gestalten wuseln durcheinander, ergreifen meine Hände. Diese Schmerzen! Woher kommen diese Schmerzen?
Wann genau habe ich zugestimmt den Part der zersägten Frau in diesem Theater hier zu übernehmen? Das ist doch alles nicht euer Ernst? Ich will den Direktor sprechen! SOFORT! Anwälte zu mir!
Ich stöhne laut…
…. Sie kommt zu sich!... Kind, hörst du mich?
Wer weint da so laut? Und warum? Wenn hier einer Grund zum heulen hat bin ich das ja wohl! Diese Schmerzen!
Ich fixiere die Person zu meiner Rechten. Meine Mutter! Dahinter mein Vater! . Sie sehen traurig aus. Ängstlich. Wie durch Watte sehe ich meinen "kleinen" Bruder, der mit aschfahlem Gesicht zu mir rübersieht und mir müde zuwinkt. Er versucht zu lächeln. Sieht merkwürdig aus, sein Lächeln. .. Ist jemand krank? Sind sie alle krank?
WORUM GEHT’S HIER?
Du hast sehr viel Glück gehabt, sagt meine Mutter. Das Kinn meines Vaters zittert…
DIESE SCHMERZEN!
Aufmunternd zwinkere ich meinem Bruder zu, versuche verächtlich zu schnauben, was mir aufgrund diverser Schläuche die in meiner Nase stecken nicht recht gelingen will.
Echte Kerle jammern nicht…. murmel ich, um ihn zu trösten.
Er lächelt gequält zurück.
Ich frage so laut es mir möglich ist in den Raum, ob es meinen Kinder gut geht. Dieser schreckliche Traum. Ob ich noch rechtzeitig angekommen bin??
Ja, sagt meine Mutter, deinen Kindern geht es gut. Sie schlafen, es ist schon spät. Kümmerst du dich um sie, frage ich. Ja, sagt sie leise.
Sie strahlt eine unglaubliche Kraft aus. Ich glaube nur Mütter haben dieses Kraftfeld. Meine ganz gewiss. Ich vertraue ihr, sie wird sich gut um meine Kinder kümmern und um alles was zu erledigen sein wird. Apropo erledigt.. hab ich alles erledigt? Ich glaube nicht... es ist noch soviel zu tun. Mein Vater ist da... er versucht mir Kraft zu geben. Hab ich ihm schon gesagt wieviel er mir bedeutet? Das ich ihn liebe?
Aber du wirst dich selber kümmern! sagt sie bestimmt. Wenn es dir wieder besser geht. Bald!
Ich nicke erleichtert. BALD!
Ich muss schlafen, vielleicht kann ich anschließend klarer denken. Ich muss nachdenken. Es ist wichtig. Ich muss... ich muss.. ich muss... Doch ich kann nicht. Ich bin abgelenkt. Immer nur fähig zu Gedankenblitzen. Woher kommt dieses blöde Piepsen? Schalt doch einer mal diese blöden Piepsdinger aus, die ich ständig höre! Müde. Ich bin so schrecklich müde. Wer stöhnt da so laut? Diese Frau soll endlich damit aufhören.
DAS ist gegen die Schmerzen, sagt eine blau gekleidete Gestalt, die sich an einer der vielen Kanülen zu schaffen macht, die in meiner Haut stecken. Gleich wird es besser, sagt die blaue Gestalt, die immer mehr verschwimmt, bis ich endlich in gnädige Dunkelheit versinke.
Frauenzimmer - 21. Mai, 02:44