Traumfänger

Freitag, 9. Mai 2008

und es gibt dich doch...

„Ja, ich komme ja schon“ murrte ich. Ich stapfte schon eine Weile mit meinem Vater durch die glutschillernden Straßen einer Kleinstadt. „Hier irgendwo muss es sein“ antwortete er und ging unbeirrt von Haus zu Haus. Ich fluchte und latschte doch im Gänsemarsch hinter ihm her. „Ich kaufe dir ein neues, was willst du denn mit diesem Teil? Es ist alt und inzwischen hat es sicherlich Rost angesetzt. Wer weiß ob sie es überhaupt noch haben? Das du immer so einen Dickkopf haben musst!“ Außerdem, ergänzte ich innerlich, will ich sie nicht sehen. Sie werden uns sicher nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Warum wollte er dieses dämliche Ding unbedingt wiederhaben? Nach so vielen Jahren.. Ich hasste diese Stadt. Es hingen zu viele Erinnerungen an ihr.

Ein aufgehäuftes Grab ohne Grabstein tauchte in meinem Kopf auf. Welkende Kränze und Blumen bedeckten es lieblos. Ich sah die einzelne weiße Rose die ich mit bebenden Händen auf ein Stück unbedeckte Erde legte. Ich spürte den Verlust wieder. Deutlich. Ich sah mich mit wütendem Gesicht vor einer trauernden Mutter stehen. Hörte mich, wie ich ihr vorwarf dass sie mich nicht gerufen hatte. Vielleicht hätte ich verhindern können..

„Mein Gott was bist du für eine lahme Ente, so kommen wir nie an“ maulte mein Vater in meine Richtung. „Dann geh doch alleine, ich warte hier!“ „Ne, nix da, ich brauche dich, ich schaffe das nicht alleine“ Da hatte er leider Recht. Ich machte mir schon eine geraume Zeit Sorgen um meinen alten Herrn. Er bekam kaum Luft und schnaufte vor sich hin. Er brauchte mich schon alleine um ihn zu kutschieren, da ihm der Arzt das Auto fahren verboten hatte.
Sonst schien er keinen Dummen gefunden zu haben und ich konnte ihm noch nie etwas abschlagen.

„Hey, ich glaube hier ist es!“ rief er aus. Mit einem Schlag wurden mir die Beine schwer. In mir weigerte sich alles auf dieses Haus zu zugehen. Mein Vater stand vor einem großen Mehrfamilienhaus das wohl vor Urzeiten schon wesentlich bessere Zeiten gesehen hatte. Die Briefkästen waren demoliert und rostig. Die Klingeln nur teilweise beschriftet. Die Haustüre war geöffnet und wirkte etwas „windschief“. Das Treppenhaus mit Graffitis beschmiert, klapprige Räder lehnten im Hausflur an den Wänden. Der Hausmeister hatte offensichtlich schon länger frei, bemerkte ich mit einem leichten grinsen. Mein Vater achtete gar nicht auf mich sondern mühte sich die Treppen hinauf. Auf jedem Absatz blieb er stehen und holte schnaufend Luft. Sorgenvoll betrachtete ich ihn. Er war alt geworden in den letzten beiden Jahren. Mein großer bäriger Paps, Autorität in Person welkte langsam vor sich hin.

„ Mann Papa, komm wir fahren nach Hause! Noch können wir zurück. Das gibt doch nur Ärger! Außerdem habe ich keinen Bock darauf mir nen erstklassigen Einlauf von deiner Frau einzufangen. Wat meinste was ich mir von der anhören darf wenn die von der Aktion hier hört!“ „ Geht schon wieder. ICH WILL ES HABEN!“ „Poah.. wenn du dir was in den Dickschädel gepresst hast…“ ergab ich mich seufzend und stapfte ihm voran die Treppen hoch. Vor einer Tür blieb ich stehen. Wolkenau stand da in krakeliger Schrift an einer Klingel. O wei, hier war es also. „Paps, hier ist es“ ich lies ihm den Vortritt und ging einige Schritte zurück. Wenn es hart auf hart kommen würde wäre ich bereit und doch wünschte ich mich Länder weiter.

Ich hatte Angst vor dem Zusammentreffen mit dieser Familie der ich einmal so nah gewesen war. Eine Familie an deren Seite ich meine Kindheit verbracht hatte, damals auf dem Land. Sie hatten in einem abgewrackten Hof gelebt. Die Mutter Säuferin, der Vater entweder im Knast oder auf der Flucht vor dem langen Arm der Justiz. Die beiden Jungs wilde Burschen die immer taten was ihnen gefiel. Uwe, der schon früh lernte dass er nur durch harte Arbeit durchs Leben kommen konnte und der für sich und seine Familie schon in jungen Jahren beim Bauern schuften ging, damit alle was zu futtern hatten. Der für seine kleinen Extras zusätzlich Zeitungen austrug. Christoph, meine Sandkastenliebe, der einen Herzfehler hatte und sich einen Dreck darum scherte. Er hatte wilde blonde Locken und immer ein breites Grinsen im Gesicht. Er zeigte mir wie man Äpfel auf einem Lagerfeuerchen briet oder wie man Stockbrot machte.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern! Sagte und trällerte mein Vater gerne mal. Ich hasste dieses Lied übrigens abgrundtief. So sehr wie ich meinen Freund Christoph liebte. Ich hing mit meinem ganzen kindlichen Herzen an diesem Jungen, der wie mein großer Bruder war, mein Beschützer wenn andere Kinder mich verkloppen wollten, mein Vertrauter, mein Tröster. Irgendwann mit 10 hielten wir Händchen wenn wir draußen unterwegs waren. Das brachte uns eine Menge Spott ein. Es war egal. Der erste schüchterne Kuss unterm Apfelbaum. Das erste riesengroße Herz aus Papierrosen zum 1. Mai, das von meinem Vater entsetzt vor meinem Fenster entfernt wurde. Pah, alle konnten sagen, spotten und singen was sie wollten, nichts hielt mich von Chris fern. Dachte ich.. bis eines Tages. Als die Familie fortzog. In diese verdammte Kleinstadt. So oft wie es mir möglich war machte ich mich auf den Weg dorthin. Doch das war immer mit sehr großem Aufwand und großen Schwierigkeiten verbunden. Ich litt.. Chris litt. Er sagte mir dass seine Mutter es für besser empfinden würde wenn wir uns eine Weile nicht mehr sehen würden. Das sei besser für Chris Gesundheit.. er solle sich aufs Wesentliche im Leben konzentrieren. Sagt wer? rief ich ironisch.

Unser Streit, ich zog mich trotzig und traurig zurück…. Ein halbes Jahr Herzschmerz. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Dachte ich. Ich sollte mich täuschen. Gelegentlich traf ich Uwe, der immer noch beim Bauern in meinem Dorf arbeitete. Es geht ihm gut, hörte ich auf meine Fragen. Alles ok. Dann eines Tages in den Sommerferien kam ich mit meiner Familie aus dem Urlaub und hörte es. Chris ist tot! Er starb einsam und alleine in seiner Wohnung. In seiner Wohnung? Er hatte sich eine Wohnung genommen, wollte sich von seiner Familie unabhängig machen, hatte seine Tabletten nicht mehr genommen. Warum?
Warum er? Warum warum warum?

„Da scheint jemand zu sein, ich höre Stimmen“ weckte mein Vater mich aus meinen Erinnerungen. Er klingelte beherzt und die Türe öffnete sich. Eine fremde Frau mittleren Alters stand im Türrahmen und lies uns herein. Wir platzten mitten in eine Familienfeier. Ja super! Im Wohnzimmer war ein riesiger Tisch aufgebaut um den herum viele fröhliche Menschen saßen. Ein Mädchen feierte ihren 15. Geburtstag. Als die Familie erkannte wer da in ihre Wohnung trat herrschte ungetrübte Freude. Man lud uns ein Platz zu nehmen und mitzufeiern. Ich warf meinem Vater einen warnenden Blick zu. Nicht jetzt, nicht heute, versuchte ich ihm damit zu übermitteln. Mein Vater nahm unbekümmert Platz und war schon in Gespräche vertieft. Sein ursprüngliches Vorhaben schien er bereits vergessen zu haben.
Oh Mann, da hast du uns ja wieder in eine tolle Situation gebracht, dachte ich wütend.

Ich setzte mich ebenfalls und fühlte mich alles andere als wohl in meiner Haut.
Nach einer Weile jedoch vergaß auch ich warum wir eigentlich gekommen waren, genoss die vertraute Nähe der turbulenten Familie und erzählte, lachte und fühlte mich so als wäre ich nach langer Reise endlich wieder bei Freunden angekommen.

Irgendwann schaute ich auf und blickte in ein blaues Augenpaar. Ein großer blond gelockter Mann stand mir gegenüber und lehnte lässig an der Wand. Er beobachtete mich. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Irritiert wandte ich mich wieder meinem Gesprächspartner zu. Ich hörte kaum noch zu und nickte an vermutlich völlig unpassenden Stellen. Meine Augen wanderten immer wieder zu diesem blonden Mann, der immer noch an der gleichen Stelle stand und mich nicht aus den Augen zu lassen schien. Ein seltsames Gefühl nahm von mir Besitz. Dieser Mann.. er war mir irgendwie vertraut und doch meinte ich ihn nicht zu kennen.

Als ich wieder aufschaute war der Platz an der Wand leer. Meine Augen rasten durch den Raum, als ich eine Hand auf meinen Schulter spürte die mich sanft berührte und eine Stimme hörte die mir ins Ohr raunte: "Komm….!" Diese Stimme! Wie ein Blitz durchfuhr mich die Erkenntnis. Dieser Mann war Chris. Wie? Was? Mit Beinen wackeliger als gekochte Spaghetti stand ich auf und ging an Chris Hand in eine ruhigere Ecke im Zimmer. Wo kommst du her? Was machst du hier? Ich dachte.. sie sagten.. Die Fragen strömten nur so aus mir heraus. „Psssst“ sagte er und legte mir den Finger auf die Lippen. Mit sanfter Geste strich er mir das Haar aus dem Gesicht dann nahm er mich in den Arm und wir weinten. Wir weinten um die verpassten Jahre, wir weinten um uns, um alle Missverständnisse. Dann nahm er mich wieder bei der Hand und wir verließen die Wohnung, das Haus, die Stadt.

Wir fuhren in seinem Wagen, über Landstraßen, auf die Autobahn und ich saß auf dem Beifahrersitz und starrte ihn fassungslos an. Es war egal wohin er fuhr, was unsere Familien denken würden. Ich war bei ihm, er war bei mir. Die Welt war wieder richtig für mich. Alles hatte wieder seinen richtigen Platz. Das Ungleichgewicht das ich in den ganzen Jahren verspürte hatte war von meiner Seele genommen. Er war es, der die ganze Zeit gefehlt hatte, dass wurde mir mit einem Schlag klar. Ich stellte ihm tausend und eine Frage die er alle geduldig beantwortete. Er erklärte mir dass er geglaubt hatte dass ich ohne ihn besser klar kommen würde. Er beschrieb seinen Schmerz als er erkannt hatte das er mir nie das Leben hätte bieten können wie ich es, seiner Meinung nach, verdient hätte. Meine Proteste ließ er nicht gelten. „Das war es, was ich damals empfunden habe“, antwortete er. "Ich war herzkrank, hätte nie richtig arbeiten können, dir nie etwas bieten können. Trotzig habe ich versucht mich gegen die Gegebenheiten aufzulehnen. Mir eine Wohnung gesucht, versucht etwas aufzubauen, mich unabhängig zu machen. Doch dann erkannte ich dass ich dies niemals schaffen würde und so entschied ich die Tabletten abzusetzen."

“Aber du bist jetzt hier! Wo warst du? Sie haben gesagt du wärest tot, haben mich an dein Grab geschickt! Warum bist du nicht zu mir gekommen? Es wäre egal gewesen, du wärest bei mir gewesen“ rief ich verzweifelt.
Er hielt den Wagen an. Wir waren an einer Raststätte angekommen. Frankreich, Meer.. Strand. Wir wollten als Kinder immer mal gemeinsam ans Meer. „Später, ich werde dir noch alles erklären, aber jetzt komm“ Wir gingen in den Gasthof und ließen uns in einer Ecke nieder. „Du musst erst etwas essen und trinken“ er bestellte für mich. Ich wollte nicht essen, nicht trinken. Ich wollte wissen warum ich die ganzen Jahre leiden musste. Ich hatte gedacht er wäre tot, nun saß ganz nah und vertraut neben mir. Ich wollte Antworten, doch er ließ mich warten. Wir aßen, tranken. Wir berührten uns. Er drehte sich eine meiner Locken um den Finger und grinste mich an. „Na, kusch-kusch, mach nicht so ein Gesicht“ grinste er. „Nenn mich nicht so, das konnte ich noch nie leiden“ maulte ich kindisch. Er lachte: „Warum? Ich werde nie vergessen wie du das aller erste Mal auf unseren Hof gestolpert kamst und mit schreckgeweiteten Augen vor unserem riesigen Hund gestanden hast. Dieser Köter hat ganze Steaks aus dem Oberschenkel des Postboten gerissen und alles was dir in dem Moment einfiel als die Töle knurrend vor dir stand war.. kusch-kusch“ „Das war das erste Mal das du mich retten musstest“ stimmte ich kichernd zu. Wir plauderten noch eine Weile über unsere Kindheit und kuschelten uns aneinander. Er trug eine Kette mit einem silbernen Mondanhänger. Er zog sich die Kette aus und hängte sie mir um. Sanft hob er mein Haar hoch und während er an dem Verschluss nestelte flüsterte er mir ins Ohr „die soll dich immer an mich erinnern“. Glücklich lehnte ich mich an ihn. Alles war gut. Mir war egal was kommen würde, wie es weiter gehen würde. Er war wieder bei mir, das war alles was zählte. Ich hörte seinen immer noch etwas holprigen Herzschlag, fühlte seinen regelmäßigen Atem, spürte seine Wärme und.. schlief ein.

Fröstelnd fuhr ich erschrocken hoch. Ich lag in einer lärmenden Gaststube und spürte die kalte Holzbank an meiner Wange. Wo war Chris? Verwirrt winkte ich eine Kellnerin heran und versuchte ihr in gebrochenem Französisch zu entlocken wo mein Begleiter wäre. Begleiter? Welcher Begleiter? Schulter zuckend und kopfschüttelnd ließ sie mich sitzen. Ich riss meine Tasche an mich, warf einen Geldschein auf den Tisch und rannte hinaus auf den Parkplatz.
Sein Auto war weg.. In der Ferne sah ich das Meer im Mondschein glitzern. Entsetzt ließ ich mich auf die Pflastersteine sinken. Wo war er nur? Er war doch da gewesen. Wie sonst wäre ich hierher gekommen? Das konnte ich doch nicht alles nur geträumt haben. Ich konnte seine Nähe noch spüren.

Piep- Piep- Piep- Piep- Piep- hörte ich. Genervt sah ich mich um. Das war sicher einer dieser Müllwagen der rückwärts setzte. Ich konnte ihn von meiner Position aus allerdings nichts sehen.

Piep- Piep- Piep- Piep- Piep- nicht das der mich hier noch umfährt, dachte ich und stand auf.

Wo war Chris? Verdammt!

Piep- Piep- Piep- Piep- Piep- ich tastete nach der Kette, nestelte sie unter meinem Shirt hervor. Der silberne Mondanhänger glitzerte beruhigend in meiner Hand. Ich hatte also doch nicht geträumt.. Erleichterung!

Piep- Piep- Piep- Piep- Piep- irgendetwas Feuchtes glitt durch mein Gesicht. Häh? Ich schlug die Augen auf und mein Hund stand Schwanz wedelnd vor mir. Stehst du endlich auf? Kläffte er fröhlich. Meine Hand griff fahrig an meinen Hals.. ich trug keine Kette mehr und mich traf die Erkenntnis wie ein Hammerschlag. Alles nur geträumt.

Montag, 10. September 2007

ich habe gerade von dir geträumt, nach so langer Zeit

du warst bei mir und mit dir...

dein Lachen. Du die du mir vor acht Jahren vorausgingst.
Du, der ich im vergangenen Jahr beinahe gefolgt wäre.

Ist es nicht wahnwitzig das ich das gleiche hatte wie du?

Für MICH hast du heute gelacht.
Freundin, beste, Seelenverwandte, du.

Wie seiden der Faden doch ist, an dem wir alle hängen.

Wie leicht wir doch vergessen, ich hatte es verdrängt.
Dein Lachen vergessen, dein Bild in mir verdrängt.
Dich schwächer werden lassen. Tag für Tag.

Heute Nacht konnte ich dein Lachen hören, liebste Freundin.
Konnte dich auch lächeln sehen.
Breit, schwungvoll. Schön war das...

Du strecktest deine Arme nach mir aus.
Weit... Ich kann noch nicht, doch..

komm doch mal wieder vorbei und besuche mich.

Auch wenn mein Herz dann bleierne Tücher trägt.


Sonntag, 25. Februar 2007

Traumanimiert...

ohne Titel

Ich kam um zu lieben
ich kam um zu lachen
von beidem trank ich
wie von gutem spanischen Wein.
Ich kam um zu geben
ich kam um zu tanzen
und tat es so oft
augenschließend für mich allein.

Ich stolperte oft
und tief fiel ich hart
doch schließlich stand
ich noch aufrechter da.
Eingetaucht in Eis
umgeben von Mauern
laut getönte, harte Worte
die nur ein Hilfeschrei war´n.

Wenn ich geh was bleibt?
Wenn ich fort bin lächelst du
im Gedanken an mich?
Wenn ich fort bin bist du wütend
und schreist es hinaus?
Wenn ich fort bin,......
was bleibt?

Ich kam um zu träumen
ich kam um zu malen
die Welt in rosaknallbunten
himmelblau Farben.
Ich kam um zu halten
ich kam um zu stützen
sprang über Gräben, bekämpfte
den Wind; ungeachtet der Narben.

Ich liebte rasend
liebte mütterlich sanft
liebte als gäbe es
kein morgen mehr.
Lief über Wolken
streute mir Blumen,
rannte durch heißen Sand
hinunter bis zum kühlenden Meer.
Sag…

Wenn ich geh was bleibt?
Wenn ich fort bin, erinnerst du dich
an mein Lachen?
Wenn ich fort bin bringst du mir
salzigglitzernde Tränen?
Wenn ich fort bin,......
was bleibt?

Ich kam um zu bleiben
doch wanderte ich ständig
ich kam um zu laufen
und stand ewig still
Ich kam um zu weinen
Ich kam um zu halten
kam um zu stillen
Tränenfluss und Durst

Ich kam....
Ich kam…

Wenn ich geh was bleibt?
Wenn ich fort bin, schreibst du
mir Briefe?
Wenn ich fort bin, lach über unsere
Späße!
Wenn ich fort bin,......
Erinnere dich!


Ich hatte einen merkwürdigen Traum.
Ich war auf einer Party, alle meine Freunde, Mallemädels und Familienmitglieder waren da. Es war ein großer heller Raum eingerichtet wie ein Wohnzimmer, alle Partyteilnehmer waren fröhlich doch Spiegel und Fenster waren mit schwarzen Tüchern verhängt. Die Musik spielte und es wurde getanzt, getrunken..
und ich saß auf der Couch und beobachtete alles, war fremd, unbeteiligt....
Meine Freundin trat an den Couchtisch zündete kreisförmig Kerzen an
setzte sich entspannt in einen Sessel und stellte mir Fragen...
Plötzlich war die Musik verstummt. Alle Blicke waren gebannt auf meine Freundin gerichtet. Im Zimmer wurde es kalt, ich fror und gleichzeitig war mir heiß vor Anstrengung. Ich antwortete automatisch ohne genauer hinzuhören. Autopilot... kennt man ja.....
Meine Freundin hatte die Augen geschlossen, Schweiß auf ihrer Stirn...
Merkwürdig! Warum sieht sie mich nicht an wenn sie sich mit mir unterhalten möchte?
Und warum starren sie alle an?
Plötzlich wurde ich mir der Fragen bewusst die mir gestellt wurden.

Geht es dir gut dort wo du bist?
öh... klar! Hallo? Ich bin hier!!!!
Möchtest du jemanden grüßen?
Vermisst du uns?

äh grüßen? vermissen? Ihr seid doch alle hier!

Plötzlich stehe ich auf und gehe zum Computer der in der Zimmerecke steht.
Ich rufe die Bilderdatei auf und klicke ein Foto an auf dem ein großer goldener Spiegel zu sehen ist. Und in diesem Spiegel ist eine fröhlich grinsende Familie zu sehen.
Meine Kinder... mein Mann... ich...
Alle Köpfe fliegen herum und starren auf den Bildschirm.
Das ist unheimlich höre ich Stimmen murmeln.

Unheimlich? Also ich fand das Bild eigentlich immer ziemlich gut gelungen!

Alle blöd hier außer Mutti! Mir ist langweilig und ich stöbere ein wenig in den Bilddateien herum bis ich auf ein Foto stoße das meine ausgelassenen Mallemädels zeigt. Ein Foto vom letzten Malleurlaub. Braungebrannte, vergnügte Mädels..
ich klicke es an und schiebe gleich ein Foto von meinem Vater und meiner Mutter hinterher. Das hatte ich schon lange nicht mehr gesehen! Dieses Bild wurde vor Urzeiten aufgenommen auf einer Geburtstagsparty bei meinen Großeltern im Garten.
Beide haben die Wangen aneinandergepreßt und lächeln breit in die Kamera.

Ich höre leise Schniefer, habe aber keine Lust mich umzudrehen. Komische Party!

Plötzlich höre ich die Stimme meiner Mutter die laut und verzweifelt ein "warum" in den Raum schreit.
Ich bekomme eine Gänsehaut... fühle mich elend, krank, schuldig
sieht so aus als hätte ich eine Party versaut.
Meine Freundin springt auf und entschuldigt sich. Sie weint, ich trete zu ihr und tröste sie. Sie erstarrt.... du bist hier, flüstert sie... ich spüre das du hier bist...

Mir wird et ein wenig gruselig ums Gemüt. Was haben die alle genommen? Ich hasse Drogen!

Ich gehe zu meinen anderen Mädels und hake mich ein. Stimmung! Party! Hossa!
Boah, guck dir die Gänsepelle an, raunt eines der Mädels bei denen ich mich eingehakt habe und streckt ihren Arm nach vorne, damit alle ihre aufgestellten Härchen betrachten können.

Wat is dat hier? Kirche, Zirkus, Sensationen? Noch nie nen Stachelbeerarm gesehen?
Meine Güte!

Ich schlendere zu meiner Familie. Meine Tanten und Onkel waren immer recht bodenständige Leute. Die werden sich sicher nix eingeworfen haben. Vielleicht können die mir erklären wie ich in diese Klamaukshow kam und wo die versteckten Kameras sind.
Unterwegs schnappe ich mir ein Schälchen mit Pralinen und schlurfe graziös auf meine Familientruppe los als meine Tante Moni entsetzt aufschreit. Da.. brüllt sie. Alle starren auf das Pralinenschälchen und machen Spiegeleiaugen. Es schwebt.. es schwebt ... krächzt mein Onkel heiser und scheint einem Herzinfarkt nah.

Ich bin entsetzt, erstaunt, ich wundere mich warum jeder Schritt mich unglaublich anstrengt. Zeit Musik zu machen denke ich und die Stimmung mal ein wenig aufzulockern. Mir rinnt der Schweiß in Bächen den Rücken entlang. Kann mich an angenehmere Situationen erinnern als dies der Fall war. Ähm ja...
Ich bediene den CD Player.. its raining men.. soll meine MalleMädels auf Touren bringen.
Einige grinsen blöd, aber sie rühren sich keinen Millimeter.
hm..
Geile Zeit? ----nix
ein Stern?----- nix
sie liebt den Dj? ---- nix
ich zappe mich durch die Malle-Hits CD....suuuper Party! Mann Mann Mann!
Ich zucke erschöpft mit den Schultern... is eh das letzte Lied dran...
Gröhlemeyer - du fehlst----- REAKTION! Plötzlich kommt Bewegung in die Masse.
Alles liegt sich heulend in den Armen. Ja super!

Meine Freundin kommt und hat ein großes Bild in der Hand das sie sich mit bebendem Kinn an die Brust drückt. Sie stellt es auf den Wohnzimmertisch. Zündet die verloschenen Kerzen wieder an. Sie wollte es so, flüsterte sie entschuldigend. Sie wollte eine Party! Sie wollte es so!.... ihr wisst es doch! Sie schaut verzweifelt.
Ich stehe vom Boden vor der Musikanlage auf und gehe zu ihr rüber.
Mensch nu is aber gut! Gerade will ich ihr mal kräftig und aufmunternd eins zwischen die Schulterblätter geben als mein Blick auf das Bild mit den schwarzen Trauerecken fällt.... ein Foto..... von mir!

Als ich vor zwei Stunden aufwachte hatte ich den obigen Text im Kopf und musste ihn einfach runterschreiben. Er hämmerte solange bis ich ihn freigelassen hatte. Nu is jut....

Was für ein Traum! Jesses!

Mittwoch, 20. September 2006

die große Dirk Bach Show...

ich habe seit zwei Jahren einen regelmäßig wiederkehrenden Traum.

Ich habe einen neuen Job bei dem ich sehr viel Geld verdienen kann. Ich weiß das dass eine sehr wichtige Sache für mich ist und möchte alles richtig machen.
Frohen Mutes trete ich meinen Job an und finde mich auf einem Marktplatz wieder in einem großen Marktstand. Die einzige Erklärung die ich bekommen habe ist, alles bis 16 Uhr an den Mann zu bringen und zu verkaufen was das Zeug hält.
Ich schaue mich in meinem Stand um uns sehe......

nichts!

Die Regale, Kisten, Auslagen, alles leer! Ach du liebe Zeit! Die Leute laufen teilweise achtlos, teilweise kopfschüttelnd an mir vorbei. Langsam steigt eine gewisse Panik in mir auf! Verkaufen. Klasse! Was? Wie? Die spinnen die Chefs!
Eine Passantin bringt es auf den Punkt. Sie steht in Hut, Mantel, nebst Armtäschchen und gezücktem Regenschirm vor meiner darben Ladentheke, schwingt den Schirm und nölt: "Wat soll dat hier? Wollen se mich veräppeln? Hier gibt's doch gar nix!"

Gerade als ich an dem Punkt angelangt bin den nicht vorhandenen Schwanz einzuziehen und mich winselnd von dannen zu schleichen ertönt ein Tusch und Dirk Bach springt von irgendwoher ins Bild, also quasi mittenmang in meinen öden Verkaufsstand.
Diesmal (ich träume diesen Traum ja öfter und die Outfits des besagten Herrn wechseln jedes Mal) ist er nicht nackt, sondern trägt ein Spitzenröckchen über seiner Blöße. IMMERHIN!

Er dreht fröhliche, aber nicht minder groteske Pirouetten, zwinkert mir zu und sieht mich kämpferisch an. AHA! Er will´s mir mal wieder zeigen! Bitte nur zu!

Und tatsächlich, er stellt sich hin und quatscht die Leute voll. Das Wunder passiert. Die Leute kommen, drängen sich rund um den Stand und kaufen! Kaufen das NICHTS! Sie können gar nicht genug NICHTS bekommen! Die Geldkassette füllt sich und endlich als nichts mehr reinpasst schnappt Herr SpitzenröckchenachwathabichguteLauneBach sich besagte Kassette, schmettert mir ein vielsagendes : "SO MACHT MAN DAS! " entgegen und entspringt in anmutigen Ballettsprüngen meinem Stand.

Sofort löst sich die Meute auf und ich bleibe grüblerisch mit meinem Nichts und dem Wissen das ich eine Null bin zurück.

Gebe Gott das mir der Kerl nicht irgendwann tatsächlich begegnet. Ich glaube ich hätte einigen Klärungsbedarf! *lach*

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